Kultur : Weltmusik: Grupo Libre im Haus der Kulturen der Welt

Jochen Metzner

Seit über drei Jahrzehnten sind die Musiker des New Yorker Latin-Ensembles Grupo Libre gefragte Mitstreiter solcher Pop- und Jazzgrößen wie Paul Simon, Tito Puente, Celia Cruz, Archie Shepp oder Dizzie Gillespie. So ist die ständige musikalische Horizonterweiterung etwa für Kontrabassist Andy Gonzalez nach über 700 Einspielungen längst zur schönsten Routine geworden. Beim "Back Room"-Workshop im Haus der Kulturen der Welt sahen sich die alten Hasen jetzt allerdings doch einer neuen Herausforderung gegenüber: Sie trafen auf den westafrikanischen Griot-Musiker Souleymane Touré, seine stimmstarke Tochter Djatou sowie die Rap-Rocker Kaveh und Anjun, allesamt gestandene Wahl-Berliner. Kann das denn gutgehen? Beim Abschlusskonzert schwinden die Zweifel sofort. Souleymane Toiré, der seinen Weg einst als Nachrichtensänger seines Heimatdorfes begann, hat auch in reifem Alter keine Mühe, in die synkopischen Raffinessen der New Yorker Herren einzustimmen. Entgültig heimisch fühlt er sich aber wohl erst, als seine Tochter Djatou die Bühne betritt - mit ihren Songs gewinnen die weich wiegenden Küstenklänge Westafrikas die Oberhand über das knatternde Percussion-Feuerwerk von Milton Cardona, Jerry Gonzalez und Grupo Libre-Gründer Manny Oquendo. Wohl von einem letztjährigen Heimatklänge-Höhepunkt inspiriert, gesellte "Back Room"-Leiter Jean-Paul Bourelly diesen reifen Protagonisten traditioneller Volksmusik nun auch noch zwei blutjunge Rapper hinzu. Bei ihrer frischen und rotzfrechen Vocal-Akrobatik etwa zum Thema "Rassismus" lassen sich Kaveh und Anjun vom in Ehren ergrauten Timbalero Manny Oquendo nur zu gerne mit immer höheren Schlagzahlen anfeuern.

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