Kultur : Weltmusik: Rückblick: Flammendes Inferno

Roman Rhode

Spaniens Barockmusik wird dem mitteleuropäischen Hörer zunächst "spanisch" vorkommen. Hatte nicht schon Calderón Vögel als "gefiederte Trompeten" und Trompeten als "metallene Vögel" beschrieben? Bei solcher Dialektik von Schein und Sein verwundert auch der Kunstgriff nicht, die Gemeinsamkeiten von Barock und Flamenco in einem Konzert aufzuführen. United Continuo Service setzt sich aus Interpreten zusammen, die teils von der Alten Musik, teils vom Flamenco und vom Pop kommen. In der Kulturbrauerei, wo die "Cantina Flamenca" ihr zweijähriges Bestehen feiert, zeigen sie, wie sich die höfische Klassik durch Volksmusik bereichern lässt. Wenn die Spanierin Mercedes Hernández mit ihrem Sopran zwei Eklogen von Juan del Encina vertont, ergeht sich ihr deutscher Begleiter in träumerischen Arpeggios auf der Barockgitarre. Dann wechselt er zur Flamenco-Gitarre und verstreut Glutbrocken im Raum. Wie hier die Anmut des Barock durch die Inbrunst des Flamenco noch einmal neu aufflammt, ist ein kleines Meisterstück.

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