Kultur : WELTMUSIK

ROMAN RHODE

Jazz oder arabische Kunstmusik? Fusion oder modische Weltklänge? Wenn Anouar Brahem, der tunesische Oud-Meister, mit den britischen Klangpoeten Dave Holland und John Surman zusammentrifft, dann entsteht jene Art feinsinniger Lyrik, die sich selbst zum Gegenstand erhebt.Ähnlich wie der metapoetische Diskurs, der die schönen Worte nur als schimmernde Edelsteine und damit die Unzulänglichkeit von Sprache beschreibt, entzieht sich auch die Begegnung der drei Künstler jeder begrifflichen Zuordnung.Immerhin gibt es zwischen Jazz und arabischer Musik einige stilbildende Gemeinsamkeiten.Dazu gehören die raffinierte Harmonik der Neuen Welt, die sich mit der in den orientalischen Skalen festgelegten Beziehung zwischen Empfindungen und Tönen vergleichen läßt, vor allem jedoch: die Kunst und Kraft der Improvisation.Daher ist es auch keine Fusion, sondern vielmehr ein fesselnder Dialog, zu dem sich die Musiker im Haus der Kulturen der Welt eingefunden haben.Und diese höchst ungewöhnliche Zusammenkunft bewahrt in Komposition und freiem Spiel alle Konturen.Surman läßt auf Sopransax und Baßklarinette immer wieder die in der arabischen Musik so wichtige Gesangsstimme erklingen, Brahem wirkt auf seiner Knickhalslaute die melodischen Ornamente dazu, und Holland, der mit seinem Kontrabaß zwischen den beiden steht, verkörpert das rhythmisch und oft auch melodisch wechselnde Bindeglied des Trios.Das alles hört sich an wie eine schillernde Elegie in Holz und Saiten.Damit wäre zumindest ein wesentliches Element des Konzerts benannt: "Oud", die Laute, ist nämlich das arabische Wort für "Holz".

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