Kultur : Weltweit trägt das Netz

Bernhard Schulz über die Auferstehung der B,eskunsthalle

Aus dem mittlerweile brandheißen Pakistan kostbare Kulturschätze auszuleihen und nach Europa zu transportieren, ist nicht nur eine logistische Meisterleistung, sondern bedarf zuallererst bester Kontakte. Die „Kunst- und Ausstellungshalle der Bundesrepublik Deutschland“ in Bonn, kurz Bundeskunsthalle genannt, hat sie über viele Jahre hinweg aufgebaut – in alle Welt, zu allen Kunst- und Kulturinstitutionen. Berlin wird ab Ostern davon profitieren, wenn die Ausstellung „Gandhara. Das buddhistische Erbe Pakistans“ im hiesigen Martin-Gropius-Bau gastieren wird.

Dorthin lud die neue Leitung der Bundeskunsthalle schon einmal zum Kennenlernen ein. Nach zwei bitteren Krisenjahren ein Zeichen des Aufbruchs: denn zuvor drohte die Bundeskunsthalle an unkontrollierten Ausgaben der alten Leitung zu kollabieren. Sechs Millionen Euro Miese waren aufgelaufen, durch „erheblichen Mittelabfluss von Bundesmitteln für eher lokale Ereignisse“, wie der neue Geschäftsführer Bernhard Spies in Behördensprache mitteilte. Das entsprach nun nicht gerade der „Aufgabe, Schaufenster zu sein für die kulturelle Dimension der Bundesrepublik“, wie sie der neue Intendant, der weltläufige Wiener Robert Fleck, umriss. Um sogleich zu schwärmen, noch nie „ein Haus mit einer so professionellen Mannschaft erlebt“ zu haben, mit „hochkarätigen und weltweiten“ Verbindungen: „Ein Anruf genügt.“

Der feinsinnige Intendant und der hochkorrekte Geschäftsführer ergänzen sich augenscheinlich aufs Beste. Letzterer hat die in Bonn bis dato unbekannten Instrumente zeitgenössischen Rechnungswesens eingeführt, um beispielsweise Doppelzahlungen von Rechnungen aufgrund unkoordinierter Auftragsvergabe zu unterbinden (!), Ersterer skizziert ein Programm, das „wieder Themen setzt“. Die kunsthistorischen Ausstellungen werden weitergeführt, aber gezielt um monografische Ausstellungen „in Deutschland arbeitender Künstler“ ergänzt; nicht zuletzt, „weil wir die Bundeskunsthalle für eine junge Generation besuchermäßig aufschließen müssen“. Die kulturhistorischen Ausstellungen, die das Stammpublikum aus einem 28 Millionen Einwohner zählenden Einzugsgebiet – „ein weiter gespanntes, bildungsbürgerliches Publikum“ – schätzt, werden beibehalten. Nach „Gandhara“ sind Ausstellungen zu Byzanz und Afghanistan in Planung, aber auch zu Napoleon, „als Zeichen, dass wir Kunst- und Kulturgeschichte zusammenführen wollen“.

„Es gibt einen gemeinsamen Grundwillen zum Neuanfang“, so der 51-jährige Fleck, schon im asketischen Habitus das Gegenbild zu seinem jovialen Vorgänger. Man glaubt es ihm; vor allem wohl die Geldgeber des Bundes, die das Abtragen des „Verlustvortrages“ von jetzt noch zweieinhalb Millionen Euro begleiten. Da tut es doppelt gut, mit der kulturpolitischen Großtat der „Gandhara“-Ausstellung in Berlin aufzutreten: dem finanziell vergleichsweise aschenputteligen Gropius-Bau und der Bundeskunsthalle selbst, die sich der Bundespolitik von ihrer Schokoladenseite zeigen kann.

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