Kultur : Wenig Feind, viel Ehr

Griefahn und Vollmer begrüßen die Berliner Flick-Sammlung

Bernhard Schulz

Ist Berlin nun weltoffen oder nur verschlafen? Nach dem Rummel um Friedrich Christian Flick und den Leihvertrag über seine Kunstsammlung (siehe Tagesspiegel vom Freitag) folgte gestern nur eine Hand voll unentwegter Journalisten der Einladung der Grünen-Kultursprecherin (und Bundestagsvizepräsidentin) Antje Vollmer und der Bundestagskulturausschuss-Vorsitzenden Monika Griefahn (SPD) zu einem Hintergrundgespräch. Flicks nobler Auftritt vom Vortag dürfte dazu beigetragen haben, die Integrität des Sammlers von der NS-Verstrickung seines Großvaters nachhaltig zu trennen.

Die beiden Kulturpolitikerinnen brachen denn auch eine Lanze für den in der Vergangenheit heftig befehdeten Erben und Sammler. Monika Griefahn erläuterte eingangs die Zielsetzung der von Flick begründeten „Stiftung gegen Fremdenfeindlichkeit, Rassismus und Intoleranz“, der sie selbst als stellvertretende Stiftungsratsvorsitzende angehört. Die in Potsdam ansässige Stiftung leistet kulturpädagogische Arbeit mit Fünf- bis Fünfzehnjährigen – mit Projekten, „die anderweitig nicht finanziert würden“.

Dann kam Antje Vollmer auf Grundsätzliches zu sprechen. Über die Qualität der Flick-Sammlung gebe es keinerlei Zweifel, die Sammlung passe hervorragend in den Kontext des Hamburger Bahnhofs. Sie ergänze die vorhandenen Sammlungen Marx und Marzona: „Damit sind wir einigermaßen komplett.“ Dann aber: Die Zusammenarbeit mit Sammlern werde in Zukunft weiter an Bedeutung gewinnen. Die Bedingung dafür aber sei, dass Sammler und Mäzene „fair“ behandelt würden. Wenn man jeden Sammler erst frage, „wo hast du dein Geld geklaut – dann wird das nicht gehen“. Behandele man Sammler in Berlin mit Respekt, sei dies ein Signal für weitere Sammler, in die Stadt zu kommen, ebenso wie an die hiesige Kunstszene, dass ihre Arbeit hier Interesse findet.

Fairness bedeute, „keine doppelten Standards zu pflegen“. Wenn jemand Kunst sammele, dürfe auf ihn nicht die ganze Debatte über die Familiengeschichte konzentriert werden, während andere Erben unbeachtet blieben. Friedrich Christian Flick habe es im Übrigen nie abgelehnt, sich der mit seinem Namen verbundenen Verantwortung zu stellen. Ihr, Antje Vollmer, falle „das Triumphale der zu späten Siege“ auf. Es werde „durch Lautstärke nachgeholt, was wir an Auseinandersetzung mit den wirklich Betroffenen rechtzeitig nicht geschafft haben“.

Zurück zu Flick: Der Sammler, verriet Vollmer, habe sogar über die vereinbarten sieben Jahre Leihdauer hinausgehende Verträge schließen wollen. Angesprochen auf das ursprüngliche Vorhaben Flicks, in Zürich ein eigenes Museumsgebäude zu finanzieren, während er sich in Berlin mit der hergerichteten „Rieck“-Lagerhalle begnügen wolle, meinte die Grünen-Politikerin vielsagend, sie glaube nicht, „dass das das letzte Wort“ sei – und lenkte den Blick auf die Staatlichen Museen. An wissenschaftlichem Personal seien sie „katastrophal unterbesetzt“, die Kuratoren und könnten „mit den Schätzen der Berliner Museen nicht wirklich aufspielen“. Ist Abhilfe möglich? Monika Griefahn verwies auf Kulturstaatsministerin Christina Weiss – die sei in der Stiftung Preußischer Kulturbesitz schließlich Vorsitzende des Stiftungsrats.

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