Kultur : Weniger ist mehr

Mit dem Aus für das Art Forum Berlin sind auch die drei Satellitenmessen gefährdet

von

Bis zuletzt hatte die Berliner Liste – die Kunstmesse mit Schwerpunkt Fotografie – an das Art Forum geglaubt und am Paralleltermin im September festgehalten, bis das Art Forum abgesagt wurde. „Wenn es keine Leitmesse gibt, sind wir keine Satelliten mehr“, sagt ihr Leiter Konstantin Bercht. „Die langfristige Wirkung ist noch gar nicht absehbar.“ Erste Konsequenzen seien bereits jetzt zu spüren. Gerade die auswärtigen Galerien und Künstler verfolgen die Absage der Hauptmesse mit Argwohn. Einige bleiben der seit acht Jahren existierenden Berliner Liste denn auch gleich fern.

Auch bei der Preview, die im vergangenen Jahr 12 000 Besucher in den Hangar des ehemaligen Flughafens Tempelhof lockte, ist man über das Procedere irritiert. Als die Messegesellschaft das Art Forum 2011 erneut auf den seit Jahren umstrittenen Termin Ende September gelegt hatte, entschieden sich die Galeristen der „art berlin contemporary“ (abc) für ein früheres Datum und das Preview-Team zog mit. „Es gab einfach zu viele schlechte Erfahrungen, weil die internationalen Besucher wegblieben. Aber wir hatten natürlich gehofft, dass das Art Forum ebenfalls vorverlegt würde“, sagt Kristian Jarmuschek, einer der drei Preview-Direktoren.

Für mehr Gemeinsamkeiten im Sinne des Kunststandorts Berlin hatten sich die Preview-Chefs schon länger aktiv eingesetzt. Auf ihre Initiative hin hatte Barbara Kisseler, damals Chefin der Senatskanzlei, 2008 einen runden Tisch ins Leben gerufen. Mit Vertretern von Art Forum, Messegesellschaft, abc sowie dem Landesverband Berliner Galerien und der Preview. „Frau Kisseler hat die Dramatik sehr schnell verstanden: was es heißt, wenn sich die Termine auseinanderziehen. Das Art Forum zeigte sich da wenig engagiert“, so Jarmuschek. Nachdem Barbara Kisseler im März Kultursenatorin in Hamburg wurde, haben das Art Forum und die abc allein weiterverhandelt. Dass man die Initiatoren des runden Tischs dabei überging, findet Rüdiger Lange von der Preview „nicht korrekt“. „Das größte Problem ist das mangelnde pluralistische Denken. Daran scheitert vieles in Berlin“, sagt Ralf Schmitt, der Dritte im Bunde. „Wir haben die Preview aus der Stadt heraus entwickelt“, ergänzt Lange, „und wir haben immer daran gedacht, dass es in Berlin sehr gute Mitstreiter gibt.“

Auf die Absage des Art Forums haben nun auch Preview-Aspiranten mit Verunsicherung reagiert. Manche witterten zwar die große Stunde für die Satellitenmesse, aber das kleinere Art Forum will man nun doch nicht werden. „Hinter uns steht keine Gesellschaft, dadurch sind wir autonom und können eine produktive Dialogkultur pflegen“, erklärt Schmitt. Die wirkt sich positiv auch auf die Aussteller und auf die Besucher aus. Allemal hat sich die Preview so weit entwickelt, dass sie auch ohne das Art Forum stattfinden kann, vom 9. bis 11. September.

Dabei hat man sich mit anderen Institutionen abgestimmt und auch die Kollegen vom Berliner Kunstsalon von der Vorverlegung überzeugt, der ab 7. September in den Uferhallen Quartier macht. Mit zeitnahen Eröffnungen bei C/O Berlin oder der Ausstellung des Preises des Nationalgalerie wird es auch ohne das Art Forum vielleicht doch noch ein schöner Kunstherbst. Michaela Nolte

1 Kommentar

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben