Kultur : Wenn der Buck kommt

Preise für die Filmemacher von morgen: „First Steps“ in Berlin

Julian Hanich

Es war ein harmonischer Abend. Die Privatwirtschaft vergab 72000 Euro an Preisgeldern für die besten Debüts und Abschlussfilme der acht deutschsprachigen Filmhochschulen. Moderatorin Jessica Schwarz trug gute Laune und eine gut gefönte Frisur, die Gäste konnten im Musical-Theater am Potsdamer Platz ihre neueste Garderobe spazieren führen, alles war exzellent organisiert. Selbst der Regierende Bürgermeister hatte seinen Urlaub abgebrochen. Und einige der Prämierten waren ehrlich überwältigt.

Regisseur Elmar Fischer zum Beispiel. Er gewann den Hauptpreis für seine freie Produktion „Fremder Freund“, stand kreidebleich am Mikrofon und offenbarte mit zittriger Stimme: „Ich habe nicht mal mein Hemd gebügelt.“ Dabei kam der Preis für seine hinreißend gespielte Geschichte um die Freundschaft eines Berliners und eines Arabers vor dem Hintergrund des 11. September nicht unerwartet.

Meike Walcha, die für „Tube Swapper“ (Kunsthochschule für Medien Köln) den Preis des besten Kurzfilms gewann, grinste dagegen wie eine Einser-Schülerin bei der Zeugnisverleihung, als Kameramann Benedict Neuenfels in seiner Laudation meinte: „Mehr Sophistication kann man nicht verlangen.“

Wie gesagt, ein harmonischer Abend – bei dem der Zustand der gebeutelten deutschen Film- und Fernsehwirtschaft gelegentlich aber doch zur Sprache kam. Da trat zum Beispiel Sat.1-Geschäftsführer Martin Hoffmann auf die Bühne, um den Preis für den besten mittellangen Spielfilm an Patrick Tauss zu überreichen. Tauss hat mit „Der Typ“ (Filmakademie Ludwigsburg) einen kantigen Film über einen Getriebenen gedreht, der sich auf eine aggressive Reise ans Ende der Nacht begibt. Wenn Tauss das Eckige noch ein wenig runder mache, so Hoffmann, dürfe er für Sat.1 einen Spielfilm drehen. Tauss atmete kurz durch und sagte dann: „Schau mer mal.“ Da will sich jemand nicht schon am Anfang zurechtschleifen lassen.

Auch der Preis für den besten Dokumentarfilm ging nach Ludwigsburg, an Lukas Schmids „Intimitäten“: ein Film über „die nackte Handwerklichkeit in der Vorführung und Abbildung des Fickens“, wie es Gerd Ruge, Urgestein der deutschen Fernsehdokumentation, drastisch-plastisch zusammenfasste. Schmid wagt sich mit seinem Film ins Genre des Schwulenpornos vor; „Spiegel“-Chefredakteur Stefan Aust fragte bei Überreichtung der phallischen Siegerstatue: „Ein bisschen spitz, nicht?“

Und dann kam Detlev Buck. Wie im letzten Jahr: die Zunge schwer, die Gedanken leicht in Nebel gehüllt. „Ich hab vorher Warming-up mit Wein gemacht“. Und setzte dann zu einer seiner berühmt komischen Einlagen an. Buck durfte Birgit Möller und Ulrike von Ribbeck für den besten Werbefilm auszeichnen, einem witzigen Nike-Spot mit heiseren Hertha-Fans (Deutsche Film- und Fernsehakademie Berlin). Dabei warf er das Protokoll über den Haufen und machte sich – das Fremdwort bestaunend – über die „Heterogenität“ seiner Jury lustig. Vielleicht hätte Buck ja lieber den ebenfalls nominierten Werbespot für Jägermeister ausgezeichnet ...

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