Kultur : Wenn der Euro kommt: Alles bare Münze

Bernd Hops

Die meisten Bürger in Deutschland fühlen sich über die bevorstehende Euro-Einführung schlecht informiert. Darauf reagieren die Europäische Union, die Bundesregierung und die Bundesbank seit Montag mit einer gemeinsamen Imagekampagne für die neue Währung. Doch wahrscheinlich sind die Deutschen im Moment weniger am Ansehen des Euro interessiert, sondern an ganz konkreten Fragen.

Ab wann gibt es das Euro-Bargeld?

Das Euro-Bargeld ist zwar erst ab dem 1. Januar 2002 gültig. Bereits ab dem 17. Dezember 2001 erhalten Privatleute bei Banken und Sparkassen so genannte "Starter-Kits" mit Euro-Münzen im Wert von 10,23 Euro (20 Mark), damit sich die Verbraucher bereits frühzeitig an das neue Geld gewöhnen können. Die Euro-Scheine gibt es ab dem 1. Januar in Geldautomaten und in Bankfilialen. Geschäftskunden erhalten von ihrem Finanzinstitut wiederum eigene Sets. In Deutschland kann man vom 1. Januar 2002 bis zum 28. Februar 2002 sowohl mit Euro als auch mit Mark bezahlen, danach ist der Euro das einzige gültige gesetzliche Zahlungsmittel.

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Die Euro-Münzen im Überblick

Bis wann kann Mark in Euro umgetauscht werden? Muss ich mich um Girokonto und Geldanlagen extra kümmern?

Die Umstellung der Girokonten und Depots auf Euro geschieht automatisch. Aktien zum Beispiel werden ohnehin bereits in Euro gehandelt und gebucht. Schon seit dem 1. Januar 1999 können Verbraucher ihr Konto auch in Euro führen lassen oder Überweisungen in Euro vornehmen. Bei dem Umtausch von Bargeld gilt: Bis zum 28. Februar 2002 kann dieser bei der Hausbank erledigt werden. Bisher beteuern die Institute auch, dass dafür dem Privatkunden keine Gebühren in Rechnung gestellt werden sollen, solange der Umtausch in "handelsüblichen Mengen" erfolgt. Eine endgültige Entscheidung ist jedoch noch nicht getroffen worden. Nach dem 28. Februar wird beim Wechseln von Geldscheinen lediglich der Weg länger - sie müssen zu Filialen der Bundes- oder Landeszentralbanken gebracht werden. Der Umtausch erfolgt dort unbegrenzt und kostenlos. Die Gültigkeit von Banknoten und Münzen ist zeitlich nicht beschränkt.

Was passiert mit den übrigen Währungen im Euro-Raum?

Zusammen mit der Mark verschwinden auch die Währungen beliebter Urlaubsländer wie die spanische Pesete oder der österreichische Schilling. Der Euro wird in den EU-Ländern mit Ausnahme Schwedens, Dänemarks und Großbritanniens gelten. Wer noch solche Währungen zu Hause hat und dieses Jahr nicht mehr in die Länder fährt, der kann Geldscheine bei den Landeszentral- und der Bundesbank bis zum 31. März 2002 umtauschen - oder auf der nächsten Reise bei der jeweiligen Nationalbank.

Wird der Handel die Umstellung auf den Euro dafür nutzen, die Preise anzuheben?

Die Euro-Umstellung ist nur ein technischer Schritt. Es handelt sich dabei nicht um eine Währungsreform. Der Kurs der Mark zum Euro ist bereits seit dem 1. Januar 1999 auf 1,95583 Mark festgelegt. Es ist auch unwahrscheinlich, dass der Handel die ungewohnten Preise (alles wird optisch durch die Umrechnung etwa halb so teuer) dafür nutzen wird, den Verbrauchern höhere Preise unterzujubeln. Dafür ist der Wettbewerb im Einzelhandel derzeit zu scharf. Halten die Geschäfte an ihrer Praxis fest, krumme Preise als Lockangebot zu nutzen, kann es sogar teilweise zu Preissenkungen kommen. Produkte für 1,99 Mark werden dann wahrscheinlich 99 Euro-Cents (etwa 1,93 Mark) kosten. Bei einigen Produkten aber ist bereits ein Preisanstieg eingeplant. Bei Büchern, die derzeit produziert werden, ist der ab 2002 gültige Euro-Preis schon angegeben. Bei der Umrechnung ergeben sich Preiserhöhungen von teilweise fünf Prozent.

Der Euro ist schwach. Wird der nächste Auslandsurlaub teurer?

Mit der Umstellung auf den Euro werden Reisen nicht teurer, sondern oft einfacher. Beim Urlaub in Euro-Ländern wie Italien oder Spanien entfallen die bisherigen Umtauschgebühren - denn es kann mit Euro bezahlt werden. Dies stellt im Vergleich zu heute eine große Erleichterung dar. Bei Reisen in Nicht-Euro-Staaten werden sich die Kosten im Vergleich zur Zeit vor der Umstellung nicht verändern, denn bereits heute hängt der Kurs der Mark zum US-Dollar oder dem britischen Pfund vom Kurs des Euros ab. Theoretisch fahren wir also schon heute mit dem Euro in den Urlaub.

Wird der Euro so stabil wie die Mark?

Die Aussichten für den Euro sind gut. Auch wenn er derzeit an den internationalen Devisenmärkten schwächelt, räumen ihm Experten großes Potenzial ein, stabiler als die Mark zu werden. Die aktuelle Schwäche des Euros ist sogar teilweise auf eine schwache Mark zurückzuführen, denn die hiesige Wirtschaft wächst zu langsam. Außerdem hat die Europäische Zentralbank, die für die Stabilität des Euro zuständig ist, durch ihre restrektive Zinspolitik deutlich gemacht, dass sie eine stabile Währung will. Das stärkt den Euro.

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