Kultur : Wenn der Wind weht

KLASSIK

Uwe Friedrich

Wer kam eigentlich auf die Idee, Schostakowitschs Violinkonzert für Xylophon zu bearbeiten? Das Programmheft verschweigt den Arrangeur ebenso schamhaft wie die Ordnungszahl – als hätte Schostakowitsch nur ein Violinkonzert geschrieben (es war dann tatsächlich das erste). Das war dann aber gar nicht mehr so wichtig, denn der 13-jährige Solist Rostislav Sharaevsky spielte mit verblüffendem Gespür für die Abgründe dieser Musik, dass editorische Details in den Hintergrund treten.

Die Pianistin Ekaterina Mechetina hatte es mit Rachmaninows zweitem Klavierkonzert deutlich schwerer, sich gegen die Akustik des Platzes und die bestenfalls mittelprächtige Mikrofonverstärkung durchzusetzen. Technische Meisterschaft steht auch bei ihr völlig außer Frage, dazu kommen ein betörendes Rubato und Sinn für die große Form.

Ob ihr Piano jedoch in einem Konzertsaal trägt, lässt sich beim Classic Open Air auf dem Gendarmenmarkt einfach nicht beurteilen. Mal weht der kalte Wind von links, dann von rechts, zwischendurch dringt aus den Lautsprechern von den Bässen und Pauken ein dumpfes Grummeln, die Flöten liefern müdes Säuseln. Dabei scheinen die Streicher des Russischen Nationalorchesters Duft und Wärme zu haben, spielen die Bläser mit Glanz und Attacke. Dirigent Vladimir Spivakov lässt Ballettmusiken und Opernouvertüren mit Eleganz und einem Hauch Wehmut spielen, und doch hätte man der Eröffnung der Russischen Kulturtage von Herzen gewünscht, sie hätte im Saale stattgefunden.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben