Kultur : Wenn die Erinnerung Bilder malt

Der Ort war gut gewählt, ein wahrhafter locus genii: das Berliner "Brücke"-Museum als Präsentationsort für die Memoiren einer Künstlerfreundin.Vor Gemälden Karl Schmidt-Rottluffs erinnerte Erika von Hornstein an den großen "Brücke"-Künstler, der einst ihr Lehrer war, und Carl Hofer, mit dem sie ebenfalls eine lebenslange Freundschaft verband.Grundlage ihres bibliophilen Bändchens "So blau ist der Himmel" sind 44 Briefe, die die spätere Schriftstellerin und Filmemacherin von beiden erhielt.Über 44 Jahre erstreckt sich auch der Zeitraum ihrer Erzählung, die sich um diese nun erstmals veröffentlichen Dokumente rankt.Sie setzt ein mit dem Jahr 1932, als die Tochter eines kaiserlichen Gardeoffiziers zu Schmidt-Rottluff in die Malschule kommt, wo sie eine Gegenwelt zur preußischen Strenge des Elternhaus findet.Ein Briefwechsel beginnt, als sie zwei Jahre später nach Italien geht.In ihm teilen sich die Ängste der Zeit mit, gemildert durch aufmunternde Worte eines Lehrers an seine ferne Schülerin.Sie befinden sich heute in der Obhut des "Brücke"-Museums, das den Nachlaß Schmidt-Rottluffs betreut.Und ganz plötzlich verbanden sich bei dieser vormittäglichen Lesestunde am Hort der "Brücke"-Kunst Vergangenheit und Gegenwart, wie sie sich wohl nur in persönlichen Erinnerungen begegnen können.Auch wenn es einer gewissen Komik nicht entbehrte, daß die Briefe von einem Schauspieler vorgetragen wurden, der mit seinem markanten Kinnbärtchen dem Maler wie aus dem Gesicht geschnitten schien.

NK

Erika von Hornstein: So blau ist der Himmel.Meine Erinnerungen an Karl Schmidt-Rottluff und Carl Hofer.Nicolai Verlag, Berlin 1999.148 Seiten, 48 Mark.

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