Kultur : Wenn die Sirenen rufen

Bodo Mrozek

Das wichtigste Merkmal eines Klassikers ist seine Unvergänglichkeit. Das unterscheidet ihn vom Oldie, der nach einer gewissen Zeit veraltet. Die Fernsehserie Mission: Impossible war sicher keine großartige Leistung, obwohl sie in den Sechzigern alle Zutaten hatte, die gerade modern waren: ein Kollektiv von Spezialisten verschiedener Hautfarben, die möglichst gewaltfrei und mit allen denkbaren und undenkbaren technischen Finessen gegen die Feinde des Weltfriedens kämpften. Das beste aber war das Titelthema im Soundtrack des Meisters Lalo Shifrin . Die Ouvertüre der Actionmelodie ist ein nervös-flirrendes Alarmsignal, dann dröhnen Bläser das dramatische Krimithema heraus. Zum Markenzeichen der Serie geworden, ist der Song nicht nur einer der populärsten Klingeltöne, sondern auch in seinen Neubearbeitungen jung geblieben. In den Kinoverfilmungen machte Hollywood-Darling Tom Cruise als machohafter Einzelgänger zwar der ursprünglichen Idee vom Kollektiv den Garaus, das Thema aber blieb stets emblematisch. In den Soundtracks wirkten Künstler wie Massive Attack oder Björk mit und der Titelmusik nahmen sich U2 und Limp Bizkit an. Nun bringt eine neue Mission Agent Ethan Hunt (Tom Cruise) schon zum dritten Mal auf die Leinwand und die bange Frage lautete: Wer wird sich bei „M: I3“ der Musik annehmen?

Die Fans dürfen aufatmen. Denn der Rapper Kanye West ist eine ausgezeichnete Wahl. Mit seinem Sample von Shirley Basseys Bond-Titel „Diamonds Are Forever“ hat er sich bereits Sporen in der Filmmusik verdient und auch sonst gelten seine Bearbeitungen von Soul-Klassikern als ungewöhnlich kunstvoll arrangiert. Dabei wurde der aus einer Akademikerfamilie stammende schwarze HipHopper im Alter von gerade mal 20 Jahren entdeckt. Doch da konnte das Talent bereits auf eine sechsjährige Musikerlaufbahn zurückblicken.

Das „Wunderkind aus China-Town“ ist mittlerweile in den Olymp des Hip- Hop aufgestiegen und wird seit seinem Debüt-Album „The College Dropout“ von Stars wie Alicia Keys oder Britney Spears hofiert. Mit zehn Grammy-Nominierungen hält West nicht nur den Rekord, auch wurde er für den besten R & B-Song dekoriert. Das überzeugte selbst den Scientologen Tom Cruise. Und wer weiß, vielleicht wird Kanye West am 5. März um 20 Uhr bei seinem Gastspiel in der Columbiahalle (Columbiadamm 13-21) dem Berliner Publikum ja schon eine Kostprobe seiner Mission:Impossible-Bearbeitung geben. Alle anderen müssen sich noch etwas gedulden: Filmstart ist Anfang Mai.

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