Kultur : Wenn Gebirge klettern

Erfolgreiche Fotoauktion in der Villa Grisebach

Michaela Nolte

Nimmt man das New Yorker Frühjahr als Indikator, schwankt der Fotografiemarkt zwischen himmelhoch jauchzend und abgrundtief betrübt: Während einzelne Konvolute dramatische Rückgänge bis zu 66 Prozent verzeichneten, prasselten andererseits die Rekorde gleich reihenweise.

Auf dem bescheideneren deutschen Markt scheinen sich die Kurse dagegen vorsichtig zu konsolidieren. Während die Kölner Auktionshäuser Lempertz und van Ham eher verhalten abschlossen, gibt sich der Münchner Fotospezialist Dietrich Schneider-Henn vor allem mit den Ergebnissen im historischen Segment hochzufrieden.

Auch die Berliner Villa Grisebach konnte die Talfahrt vom vergangenen Herbst überwinden. Qualitativ Hochwertiges oder Raritäten der Klassiker fanden im sehr lebhaften Saal, in dem auch das internationale Interesse wieder spürbar war, ihre Liebhaber.

Edward Westons Rückenakt seiner zweiten Frau, der Schriftstellerin Charis Wilson, steigerte als eines der letzten Lose die Spannung auf den Höhepunkt. Die untere Erwartung konnte „Nude, Oceano“ von 1936 fast verdoppeln, obgleich der Abzug aus den Vierzigerjahren stammt. Nach langen Bietgefecht gewährte ein belgischer Händler 46000 Euro. Ein Vintage aus derselben Serie brachte Ende April bei Sotheby’s in New York stolze 176000 Dollar. Die Schätzung verdoppeln konnte ebenfalls Germaine Krulls seltene zwölfteilige Serie „Freundinnen“, die ein New Yorker Privatsammler für 31800 Euro erwarb.

Einen Zuschlag oberhalb des Schätzpreises erzielte das Unikat einer kleinen Arbeitscollage von Karl Blossfeldt, in dessen Pflanzenstudien Walter Benjamin einen „Geysir neuer Bildwelten“ sah. Ein deutscher Bieter setzte sich mit einem schriftlichen Gebot bis 15300 Euro durch. Frantisek Drtikols Pigmentdruck einer stummfilmartigen Schönen – 1925 kurios als „Studie (Kaktus)“ inszeniert – löste mit 16000 Euro die untere Erwartung glatt ein.

Bei einer Zuschlagsquote von 66 Prozent sorgten nicht zuletzt die moderaten Einschätzungen für teils kräftige Steigerungen. Alfred Renger-Patzschs winterliches „Erzgebirge, Riesa“ kletterte von 2500 auf 6500 Euro, und Bettina Rheims’ Frauenakt aus der Serie „Chambre close“ konnte mit 7000 Euro die Taxe fast verfünffachen. Mit einem Bruttoumsatz von 566000 Euro konnte die Villa Grisebach die untere Gesamttaxe der Fotografieauktion souverän überrunden und das Herbstergebnis um mehr als ein Viertel verbessern.

Villa Grisebach, Fasanenstraße 25: Auktion für Kunst des 19. und 20. Jahrhunderts, heute ab 10 Uhr; Third Floor. Schätzwerte bis 3000 Euro, ab 14.30 Uhr.

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