Kultur : Wenn Vampire Mafia spielen

Bodo Mrozek

tanzt mit den Blutsaugern In Berlin herrscht Krieg. Lange Jahre haben sich die tonangebenden Familien bekämpft und unter den Spreebrücken fand so mancher ein kühles Grab in einem Paar wie angegossen passender Zementstiefel. Alkohol wurde nur in verschwiegenen Hinterzimmern in der Kaffeetasse ausgeschenkt. Wenn es Ärger gab, taten Bleispritzen ihren Job. Doch nun macht eine Familie ein Angebot, das man nicht ablehnen kann. Ausgerechnet die Fraktion der schwarzen Flattermäntel, landläufig auch als Gothics oder Dark Waver bekannt, ruft zum furchtbaren Versöhnungsfest auf. Mit Unterstützung der Firmen „Fest & Flink Zement“ und „Kurz & Gut Bestattungen“ wird am 16.4. das Stummtheater „Das Cabinet des Dr. Moribundi“ realisiert (22 Uhr 30), die erschütternde Geschichte eines Somnambulen um Grauen, Wahnsinn und Tod: ein Berliner Schauermärchen in Schwarzweiß, begleitet von einem irren Pianospieler. Der deutsche Stummfilmer Robert Wiener ist Pate.

Der Ort ist mit Bedacht gewählt: Im Ministerium für Entspannung geht es in der Lasker Str. 5 (Friedrichshain) anschließend weiter mit Old-School-Gothic, Batcave und – man höre und staune – Swing und Charleston. Alles, was man braucht, sind Nadelstreifenanzug und Zigarettenspitze, Cocktailkleid und Trashcash – für das illegale Glücksspiel.

Vampirzähne und Spinnweben bleiben zu Hause unter dem Sargdeckel. Und wer weiß, vielleicht versöhnen sich tatsächlich die schwarzen Familien der Grufties und legen ihren jahrelangen Blutkrieg um die düstersten Klänge und grausigsten Outfits endlich bei – im biederen Hemdkragen. Wir Sterblichen atmen auf.

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