Kultur : Wer den Mülleimer lehrt

Marius Meller

Als vor ein paar Jahren Peter Sloterdijk im französischen Rundfunk gefragt wurde, was er – als deutscher Philosoph – den Franzosen mit auf den Weg geben würde, antwortete er in bestem Französisch: le tri des déchets – die Mülltrennung. Inzwischen haben die Franzosen die bunten Container im Hof stehen und denken täglich beim Müllrunterbringen grollend oder einsichtig an ihre Ex-Erbfeinde und deren upgedatete Version des kategorischen Imperativs: Die Maximen deiner Mülltrennung müssen zur allgemeinen Gesetzgebung taugen. Die Regisseure Wolfgang Petersen und Roland Emmerich belehren mit ihren Hollywood-Blockbustern „Troja“ und „The Day After Tomorrow“ zur Zeit gleich die ganze USA, wo auch noch Wahlkampf ist. Sie arbeiten dabei nach dem Prinzip des Trojanischen Pferdes: Erst wiesen sie sich mit „Der Patriot“ und „Independence Day“ als Fachkräfte für US-Nationalgefühl aus, um dann eine subversive, ökologisch und politisch korrekte Filmmoral in das Kollektivhirn der amerikanischen Freunde einzuschleusen: „Troja“ dekonstruiert die USA als Hegemon, „The Day After Tomorrow“ haut dem Präsidenten das Kyoto-Protokoll um die Ohren. In den USA sind Petersen und Emmerich zu trojanischen Zugpferden der Anti-Bush-Bewegung geworden. Gegen den Vorwurf des Antiamerikanismus sind sie immun, weil sie ja Amerikaner im Geiste sind. Die Filmemacher wie der Philosoph sind polyglotte Propagandisten einer Idee, die man inzwischen mit Deutschland verbindet: Am ökologischen Wesen könnte die Welt genesen.

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