Kultur : „Wer hat eine Alternative?“

Rückzug erst 2007: Michael Schindhelm über die Zukunft der Opernstiftung und sein Konzept

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Herr Schindhelm, wie geht es jetzt weiter, nachdem Sie Ihre Kündigung teilweise schon wieder zurückgezogen haben?

Ich habe mit dem Stiftungsrat einen Aufhebungsvertrag beschlossen und werde meine Geschäfte noch bis zum Ende des ersten Quartals 2007 zu Ende führen, das heißt, meinen Nachfolger Stefan Rosinsky einarbeiten und über mein Reformpapier reden.

Ihre Vorschläge zur Opernreform sind jetzt durch Ihren Abgang desavouiert.

Konzepte taugen nur dann etwas, wenn sie personenunabhängig funktionieren. Ich habe für mein Papier im Stiftungsrat, dem auch Finanzsenator Sarrazin angehört, eine große Offenheit angetroffen.

Dann kam Ihr Rücktritt doch zu früh?

Vielleicht trägt der Umstand, dass derjenige, der die Vorschläge macht, sich hier keine eigene Machtposition aufbauen will, nun dazu bei, dass die Diskussion sachlicher wird.

Sie meinen die von Ihnen geforderte Position des Geschäftsführenden Intendanten, der deutlich mehr Befugnisse haben soll als Sie.

Ja. Der Stiftungsrat hat politisch richtig entschieden, all die Überlegungen aus dem Wahlkampf herauszuhalten. Deshalb ist es für überhaupt nichts zu spät. Jetzt muss die öffentliche Diskussion entbrennen. Und ich frage Sie: Wer hat denn eine Alternative zu meinem Konzept in der Hand? Ich bin bereit, in den nächsten Monaten darüber zu debattieren und mich beschimpfen zu lassen.

Aber Sie ziehen sich vor dieser Debatte zurück, das wirkt schwach.

Die Opernstiftung gehört zu den filigransten kulturpolitischen Konstruktionen in diesem Land. Und ein Generaldirektor, der überhaupt eine Chance haben will, etwas zu gestalten, braucht maximale politische Rückendeckung. Ich kann mir nicht immerzu anhören, dass Leute mir sagen – in Ihrer Haut möchte ich nicht stecken! Irgendwann ging es mir auch so, dass ich sagte, ich möchte in meiner Haut nicht mehr stecken. Es gibt einen point of no return, und der war letzte Woche erreicht.

Werden Sie sich mit Wowereit treffen?

An mir wird es nicht scheitern. Ich halte ein Treffen für sinnvoll angesichts der Tatsache, dass ich in den nächsten Monaten weiter an diesem Konzept arbeite.

Fühlten Sie sich von den Berliner Opernintendanten genügend unterstützt?

Die Interessen sind teilweise einfach konträr. Das ist das politische Konstrukt der Opernstiftung.

Noch einmal zu Ihrem Konzept: Die Einführung eines Stagione-Betriebs an der Deutschen Oper ist ein großes Politikum. Dazu braucht man in der Tat eine starke Rückversicherung.

Das Konzept ist entstanden, weil Berlin eine Finanznot hat und weil der Bund die Staatsoper voraussichtlich nicht übernehmen wird. Was ich vorschlage, tut auch weh, im Westteil der Stadt. Aber die Stagione-Idee soll der Zukunftssicherung an der Deutschen Oper dienen, deren Repertoire auf Dauer nicht funktionieren wird. Deshalb erlaube ich mir diesen unkonventionellen Vorschlag: Etwas zu machen, was einzigartig ist im deutschsprachigen Raum, aber mit großem Erfolg in Paris, London oder Brüssel funktioniert.

Das Gespräch führte Rüdiger Schaper.

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