Kultur : Werbung - wozu?

Obwohl man der Finanzkrise zum Trotz die Zahl der Premieren halten konnte, insgesamt sogar mehr Vorstellungen bei unveränderten Eintrittspreisen anbietet, will man dafür in der Öffentlichkeit nicht trommeln.Wie ein Mann wehrten Generalintendant Friedrich und Generalmusikdirektor Thielemann die Frage nach einem Marketingkonzept für die Deutsche Oper ab, mit dessen Hilfe womöglich die von Kultursenator Radunski geforderte Einnahmensteigerung um immerhin 1,5 Millionen Mark gelingen könnte.Obwohl Verwaltungsdirektor André Schmitz gerade erklärt hatte, daß die eklatante Etatlücke vor allem darauf zurückzuführen sei, daß die Besucher in den letzten Jahren die billigen Karten bevorzugten und deshalb das Einnahmesoll gründlich verfehlt wurde, machten die künstlerischen Chefs deutlich, daß sie von professionell organisierter, zielgruppenorientierter Verkaufspolitik nicht das Geringste halten."Muß es denn immer so marktschreierisch sein?", fragte Thielemann und rümpfte die Nase, als das Wort "Marketingbüro" über seine Lippen kam.Götz Friedrich murmelte zwar etwas von "kostenlosem Marketing", das ihm vom Förderkreises angeboten worden sei, aber die Existenzberechtigung dieses marktüblichen Instrumentes zur Umsatzsteigerung scheint auch er zu bezweifeln.So löste denn auch der ernstgemeinte Hinweis auf die dilettantische Gestaltung der Foyers in dem Weltniveauhaus an der Bismarckstraße statt peinlicher Betroffenheit nur zustimmende Heiterkeit bei Friedrich aus.Noch deutlicher hätte er sich nicht als unbelehrbarer Mann der Vergangenheit entlarven können.Und auch Thielemann sollte einmal darüber nachdenken, ob es wirklich so schlimm wäre, wenn die Deutsche Oper die Tatsache, daß sie vielleicht als einziges Haus der Welt den gesamten Bayreuther Wagner im Spielplan hat, mit derselben Eindringlichkeit den Leuten nahebrächte, wie es seine Schallplattenfirma mit ihren Thielemann-CDs tut?

Wenn demnächst die Unternehmensberatungsfirma McKinsey die Deutsche Oper durchforstet, erhofft sich Friedrich davon den Beweis, daß ein Haus wie dieses nicht mit 80 Millionen Mark auskommen kann.Selbst, wenn der Wunsch in Erfüllung gehen sollte - eine Maßnahme werden die Outsourcer ihm garantiert verordnen: Werbung, Werbung und nochmals Werbung.Spätestens dann wird er wieder so dastehen wie gestern: als Ewiggestriger. F.H.

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