Kultur : Werden Deutsche Oper und Staatsoper nun doch fusioniert?

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In Berlin wird es nun vermutlich doch zu einer Opernfusion kommen. Nach TagesspiegelInformationen hat sich die Koalition aus SPD und PDS am Montagnachmittag auf eine Zusammenlegung der Deutschen Oper und Staatsoper Unter den Linden verständigt. Auch Kultursenator Thomas Flierl soll signalisiert haben, dass mit ihm diese Lösung machbar wäre: Danach sollen beide Institutionen künftig von einem Generalintendanten geführt werden. Zu erwarten ist bei der Zusammenlegung ein massiver Stellenabbau in beiden Musiktheatern. Noch nicht sicher ist allerdings, ob der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit dem Modell zustimmen wird.

Das nun bekannt gewordene Szenario könnte eine Notlösung des Senats sein, für den Fall, dass der Bund die Staatsoper nicht in seine Obhut nimmt und auch nicht in eine Stiftung für die hauptstädtischen Musiktheater einsteigt. Im Kulturausschuss des Berliner Abgeordnetenhauses hatte Thomas Flierl am Vormittag noch betont: „Beim Bund gibt es Interesse, das Problem zu lösen.“ Ein Gespräch des Senators mit der neuen Kulturstaatsministerin Christina Weiss soll so bald wie möglich stattfinden.

Der Plan der rot-roten Koalition entspräche genau dem von Christoph Stölzl vor zwei Jahren vorgeschlagenen Modell. Der Berliner CDU-Landesvorsitzende hatte in seiner Zeit als Kultursenator die Verschmelzung der beiden Häuser empfohlen, musste die Fusionsidee aber nach massiver Kritik wieder zurückziehen.

Auch wenn bislang unklar ist, ob die Zusammenlegung auch eine Fusion der Opernorchester bedeutet, ist zu vermuten, dass weder der Generalmusikdirektor der Deutschen Oper, Christian Thielemann, noch der Musikchef der Staatsoper, Daniel Barenboim, das Projekt ohne weiteres mittragen werden.

Ein gewichtiges Argument bei den Überlegungen der Koalition ist der bauliche Zustand der Staatsoper. Intendant Peter Mussbach hat wiederholt geäußert, das Traditionshaus Unter den Linden stehe kurz vor der Zwangsschließung durch die Baupolizei. Andere Stimmen aus dem Haus dementieren allerdings einen dringenden Handlungsbedarf. Dennoch führt mittelfristig kein Weg an einer Komplettsanierung des maroden Gebäudes vorbei. Weil aber der Berliner Senat die bislang avisierte Ausweichspielstätte, das Theater des Westens, gerade an den niederländischen Unterhaltungskonzern Stage Holding verkauft hat, ergäbe sich durch die Zusammenlegung eine kostengünstige Möglichkeit: Beide Operntruppen teilen sich während der Renovierung der Lindenoper das Charlottenburger Haus in der Bismarckstraße. F.H.

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