Werkstatt in der Staatsoper : Die Zukunft der Welt

Das avantgardistischste Musiktheater der Stadt: Die Staatsopern-Werkstatt präsentiert Hèctor Parras „Zangesi“ mit Vogelrufen und Industrieklängen.

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Vorstoß in neue musikalische Welten: das Ensemble der Oper Zangesi“ von Hèctor Perra.
Vorstoß in neue musikalische Welten: das Ensemble der Oper Zangesi“ von Hèctor Perra.Foto: Stini Röhrs

In Arnold Schönbergs zweitem Streichquartett kündigt ein Sopran mit der Gedichtzeile „Ich spüre Luft von anderem Planeten“ den Vorstoß in neue musikalische Welten an. Auch in „Zangesi“ (2007) von Hèctor Parra nach Velimir Chlebnikov beglaubigt eine hohe Frauenstimme das Ausschwärmen in kosmische Fernen. Der wunderbare Sopran der jungen Sängerin Sónia Grané liefert in der Werkstatt der Staatsoper sogar die einzige live produzierte Musik des Abends. Denn die das Publikum von allen Seiten umfangende Tonspur hat Parra aus Vogelrufen, menschlichen Geräuschen und Industrieklängen elektronisch gefügt.

Velimer Chlebnikov gehört zu den russischen Futuristen, die im zeitlichen Umfeld der Oktoberrevolution von der Synthese aus künstlerischer, wissenschaftlicher und politischer Avantgarde träumten. In seiner „Übererzählung“ „Zangesi“ machte sich der Autor auf die Suche nach einer universalen Sprache und einer Weltformel, mit der sich die Zukunft vorhersagen lässt.

Das Team um Regisseurin Janne Nora Kummer hat in Zusammenarbeit mit den vier an der Produktion beteiligten Schauspielern das Libretto neu bearbeitet, die Vorlage aber trotz einiger milder Ironiesignale glücklicherweise ernst genommen. Schauplatz ist jetzt eine Raumstation in retro-futuristischem Design; die Astronauten haben einen neuen Planeten entdeckt und debattieren über dessen mögliche Benennung: „Elpis“ (Hoffnung) oder doch eher „Hades“? Der utopische Schwung der Vorlage scheint durch Skepsis ausgebremst, auch kommen die Nachrichten an die Erdbewohner nur teilweise an. Parras Musik fasziniert in ihrer Fremdheit, wirkt allerdings beim ersten Hören auch ziemlich sperrig. Überhaupt ist die knapp 90 Minuten lange Veranstaltung anstrengend, zeigt aber doch wieder einmal, dass in der kleinen Werkstatt der Staatsoper zurzeit das avantgardistischste Musiktheater der Stadt produziert wird.

wieder 18., 19. 21. und 23.2., 20 Uhr

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