Werner Schneyder zum 80. Geburtstag : Der ewige Mecki

An der Seite von Dieter Hildebrandt avancierte er zum bissigen Fernsehstar: Dem österreichischen Kabarettisten Werner Schneyder zum 80.

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Schmäh mit Schmackes. Werner Schneyder wird 80.
Schmäh mit Schmackes. Werner Schneyder wird 80.Foto: Peter Endig/dpa

Erst einmal ein paar „O-Töne“ (wie man früher gerne sagte). „Das Groteske ist ja, dass einige intelligente Kapitalisten schon seit einiger Zeit sagen: Wenn wir nicht anders teilen, werden sie uns wegblasen.“ – „Einsamkeit ist Belästigung durch sich selbst.“ – „Man kann Trump nicht mit einfachen Witzen abspeisen, dazu ist es viel zu gefährlich. Was er Regierung nennt, ist ja ein elitäres Gangster-Syndikat.“

Werner Schneyder ist ein großer Vereinfacher. Seit einem halben Jahrhundert schafft er es immer wieder, den Zustand der Welt in einem Satz zusammenzufassen, notfalls auch in zwei. Lyrik, Wutausbrüche, Gedankensplitter, Aperçus – hat Dr. Schneyder alles in seinem Gemischtwarenladen aus Kabarett, Literatur, Theater, Schlager und, nicht zu vergessen, Sportjournalismus, besonders Boxsport, im Angebot.

Der promovierte Zeitungswissenschaftler, der 1937 in Graz geboren wurde, bezeichnet sich selbst als „professioneller Dilettant“. Nach seinem Studium in Wien, das er unter anderem als Barsänger finanziert hat, arbeitet er für eine Werbeagentur, schreibt ein Theaterstück, wird Dramaturg am Salzburger Landestheater und entschließt sich dann, den Lebensunterhalt lieber doch als sogenannter freier Autor mit dem Verfassen von Hörspielen, Theaterkritiken und Zeitungsgedichten zu verdienen. Anderen wäre es nach so vielen biografischen Bocksprüngen schwindlig geworden, aber Schneyder ist erst Mitte 30, als er endgültig berühmt wird.

Ab 1974 sind Hildebrandt und Schneyer ein Fernsehduo

Das Kabarettduo Dieter Hildebrandt und Werner Schneyder, das ab 1974 in Hildebrandts Sendungen „Notizen aus der Provinz“ und „Scheibenwischer“ auftrat, fungierte als bundesrepublikanische Version von Pat & Patachon. Ein Großer mit Meckifrisur gegen einen Kleinen mit Seitenscheitel, Wiener Schmäh gegen preußische Zackigkeit, Frage- gegen Ausrufezeichen. Ein typischer Dialog, späte 70er Jahre. Schneyder: „Wie geht’s“ – Hildebrandt: „Gut. Hab mich verbessert.“ – S: „Ach?“ – H: „Auf der Helmut-Schmidt-Akademie.“ – S: „Ach!“ – H: „Bin jetzt Krisenmanager.“ – S: „Sie managen Krisen?“ – H: „So kann man das nicht sagen.“ – S: „Sondern?“ – H: „Ich manage aus Krisen.“ – S: „Wohin?“ – H: „Aus der Krise heraus.“ – S: „Wo ist das?“ – H: „Dort, wo die Krise nicht mehr ist.“ – S: „Woher wissen Sie, dass dort keine Krise ist?“ – H: „Das nehme ich an.“

In den besten Momenten war das Doppel mehr Brecht als Brettl. Hildebrandt starb 2013. Schneyder hat sich vom Kabarett verabschiedet und schreibt Bücher. Heute wird er, immer noch mit Mecki-Frisur, 80 Jahre alt.

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