Kultur : Wer’s zuletzt macht

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Frederik Hanssen über die finale Schlacht um Berlins Theater des Westens

Alexander Eichner ist sich nicht sicher, ob er es „Absicht“ nennen soll oder „Unvermögen“. Tatsache ist, dass der Unternehmer aus dem Bieterverfahren um das Theater des Westens hinauskomplimentiert wurde. Dabei war die Berliner Finanzverwaltung, die mit dem Verkauf des staatseigenen Musicalhauses betraut ist, zunächst sehr interessiert an Eichners Konzept. Als Spezialist für Sanierungsfälle wollte er den Spielbetrieb mit Hilfe eines Immobilienfonds subventionsfrei sicherstellen – und sogar wieder der Operette in Berlin eine Bühne bieten.

Doch dann meldete sich plötzlich niemand mehr bei Eichner. Kein Wunder, denn so wie es aussieht, war man zwischenzeitlich zu einem anderen Deal gekommen: Die niederländische Stage-Holding wird aller Wahrscheinlichkeit nach am kommenden Dienstag im Senat das Theater des Westens zugesprochen bekommen. Damit wäre der Konzern Musical-Monopolist in der Hauptstadt. Denn die Holländer haben sich bereits das Potsdamer-Platz-Theater aus der Konkursmasse der Stella gesichert und sind außerdem Besitzer des einstigen Metropol-Theaters. An letztem allerdings ist ihr Interesse nach dem Kauf der Stella-Musicals schlagartig verblasst.

Glücklicherweise fand sich im Kaufvertrag eine Ausstiegsklausel: Wenn die Investitionssumme eine gewisse Schallmauer durchbrechen sollte, muss Berlin die marode Immobilie zurücknehmen. Dass damit der Operettentempel endgültig der Abrissbirne geweiht ist, darf einen privaten Unterhaltungsunternehmer nicht weiter stören. Zumal, wenn einem der Rückzieher so leicht gemacht wird: Weil der Senat vergessen hat, bei den Verkaufsverhandlungen ein eigenes Kosten-Gutachten zu erstellen. Sollte die staatliche Seite allerdings bereit sein, bei der Vergabe des Theaters des Westens der Stage-Holding entgegenzukommen, mag sich beim Metropol vielleicht noch was bewegen. Am Dienstag werden wir’s erleben.

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