West Eastern Diwan Orchestra auf Tour : Die Kunst des Zuhörens

Daniel Barenboim und das West Eastern Diwan Orchestra sind auf Tour. Die Musiker aus dem Nahen Osten wollen ein Bild für Verständigung sein.

von
Daniel Barenboim.
Daniel Barenboim.Foto: dpa

Derzeit ist Daniel Barenboim mal wieder doppelt gefordert, als Dirigent und in seinem wichtigsten Nebenjob: als Vermittler zwischen Arabern und Israelis. Mit dem West Eastern Diwan Orchestra bestreitet er ein neues, nach ihm benanntes Festival im argentinischen Buenos Aires. Acht Konzerte geben Barenboim und seine Musiker im Teatro Colon, danach folgt eine Tournee mit Stationen beim Lucerne Festival, den BBC Proms sowie den Salzburger Festspielen. Die Sommer-Arbeitsphase findet ihren Abschluss am 24. August in der Berliner Waldbühne.

Vorurteile abbauen

Aus den Palästinensergebieten, aus dem Libanon, Syrien, Iran, Jordanien, Ägypten und Israel stammen die Mitglieder des West Eastern Diwan Orchestra. Da ist es kaum verwunderlich, dass die aktuellen Entwicklungen im Nahostkonflikt bis in die Probenarbeit hineinwirken. Bereits vor Beginn der Arbeitsphase musste Daniel Barenboim einschreiten, als sich Musiker via Facebook beschimpften. In einer E-Mail mahnte der Orchesterchef daraufhin, alle Beteiligten mögen sich doch bitte in „der Kunst des Zuhörens und des Verstehens“ üben. Damit das Orchester auch weiterhin „ein Leuchtturm der Hoffnung“ bleiben könne.

Tatsächlich klappte es dann mit der Kommunikation sofort besser, als sich die jungen Leute Auge in Auge gegenüberstanden, berichtet der Korrespondent des Bayerischen Rundfunks, Julio Segador, aus Buenos Aires. Immerhin gab es keine Absagen, alle Musiker waren angereist. Und nutzen jetzt hoffentlich die Chance, im gemeinsamen Gespräch Vorurteile abzubauen. Die von Daniel Barenboim aufgestellte Grundregel für die Arbeitsphasen des West Eastern Diwan Orchestra lautet: Die anderen kennenlernen, zuhören, vor allem wenn man nicht derselben Meinung ist.

"Wir hören uns immer gegenseitig zu."

Illusionen über die konkreten politischen Wirkung ihres weltweit gefeierten Projekts geben sich die Mitglieder allerdings nicht hin. Kurz vor dem Start der Tournee veröffentlichte des „Jetzt“-Magazins der „Süddeutschen Zeitung“ ein Gespräch zwischen zwei Geigern des Orchesters, dem 31-jährige Israeli Asaf Levy und dem 35-jährigen Libanesen Georges Yammine. „Wir können die Welt mit unseren Noten nicht retten, egal wie gut wir spielen“, sagt Yammine. „Wir wollen ein Bild sein für Frieden und Verständigung. Früher hatten wir eine Mission, heute sind wir die Mission.“ Und Levy fügt hinzu: „Barenboim sagt ja immer: Wir stimmen darin überein, dass wir nicht übereinstimmen.“

Immerhin herrscht während der Konzerte Harmonie, wie Georges Yammine berichtet: „Im Orchester müssen wir manchmal rhythmisch gegeneinander spielen, aber trotzdem hören wir uns immer gegenseitig zu.“

Infos zum Konzert in der Waldbühne: www.daniel-barenboim-stiftung.org

1 Kommentar

Neuester Kommentar