Kultur : Westerwelle und PEN zum Fall Ai Weiwei

Anlässlich der Ausstellungseröffnung der Berliner Galerie Neugerriemschneider mit Werken des durch die chinesischen Behörden verschleppten Künstlers Ai Weiwei hat Außenminister Guido Westerwelle die Freiheit der Kunst als „unschätzbares Gut“ gewürdigt, das verteidigt werden müsse. Die Bundesregierung habe gegenüber China „unzweideutig zum Ausdruck gebracht“, dass die „Festsetzung“ des Anfang April inhaftierten Regimekritikers beendet werden müsse, sagte er am Freitag in den Räumen der Galerie. In diesem Zusammenhang sprach sich der Minister erneut gegen eine Schließung der umstrittenen deutschen Ausstellung „Die Kunst der Aufklärung“ in Peking aus. Ein Abbruch käme einem Verbot gleich, sagte Westerwelle.

Unterdessen hat die internationale Schriftstellervereinigung PEN angesichts der Verschleppung von Ai Weiwei vor einer weiteren kulturellen Kooperation mit China gewarnt. „Die Führer der Volksrepublik China haben offenbar andere Vorstellungen von der Gültigkeit der Menschenrechte, als sie in Europa üblich sind“, erklärte der Verband. Ein Kulturrelativismus in Sachen Menschenrechte entspreche jedoch nicht den hier gültigen Rechtsmaßstäben. In einem Brief an Bundeskanzlerin Angela Merkel setzte sich der PEN zudem kritisch mit den Plänen zum Chinesischen Kulturjahr in Deutschland auseinander, das 2012 zum 40. Jahrestag der Aufnahme diplomatischer Beziehungen zwischen beiden Ländern gefeiert werden soll. Von chinesischer Seite sei mit Ein- und Ausreiseverweigerungen sowie mit Zensurmaßnahmen zu rechnen. Die „365 Tage intensivierten deutsch-chinesischen Kulturaustauschs“ könnten zum Albtraum werden, wenn die Bedingungen dafür nicht völlig neu ausgehandelt würden. Dabei sollte dann die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte alleinige Verhandlungsgrundlage sein. mch/dpa

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