Wettbewerb : Eine verhängnislose Affäre

"Musta Jää" beschenkt die Berlinale mit einem Gynäkologinnen-Thriller.

Jan Schulz-Ojala
Musta Jaeae
Szene aus "Musta Jää". -Foto: Promo

Der finnische Film auf der Berlinale: Lange Jahre war er in der festivalöffentlichen Wahrnehmung mit dem legendären Trinker Aki Kaurismäki identisch, der die Forums-Publikumsgespräche zu unvergesslichen Ereignissen machte. Dann wechselte Kaurismäki nicht in den Wettbewerb, sondern gleich nach Cannes, und brachte es dort zu Lorbeer.

Muss deshalb der schnöde geschnittene Berlinale-Wettbewerb ewig auf finnisches Filmschaffen verzichten? Nein, rief das Auswahlkomitee – und lud das zweite Langspielwerk des 44-jährigen Petri Kotwica ein, immerhin mit einer veritablen Kaurismäki-Heroine in einer Hauptrolle. Doch, ach, die sublime Outi Mäenpää kann sehr unsublim sein, in den falschen Händen, in der falschen Geschichte, vor der falschen Kamera.

Dabei hat „Musta Jää“ (Schwarzes Eis) ein großes Thema. Eine betrogene Ehefrau macht ihrem Mann mal keine Szene, droht nicht mit Trennung, zieht nicht zur Mama, stürzt sich nicht racheweise selber Hals über Kopf in Affären, fängt nicht unbedingt ein neues Leben an. Sondern bemüht sich darum, nicht alle Antworten selber zu geben, sondern diese andere kennenzulernen: Wen liebt der eigene Mann da seit einem Jahr eigentlich so heimlich und warum; was macht, dass er gegangen ist, und wohin?

Regisseur Kotwica aber, der nach eigenem Bekunden mehrere Jahre am Drehbuch schrieb, bis sein eigenes Privatleben dem Filmthema immer ähnlicher wurde, interessiert sich nach tapsigen Ausflügen ins Komödiantische und zähen Entwürfen eines mittelständischen Gesellschaftsporträts lieber für eine in den Thriller mündende Soap Opera. Also muss Saara (eben jene Outi Mäenpää) doch Rache üben an der jüngeren Tuuli (Ria Kataja), um damit eigentlich ihren feigen Leugner von Ehemann Leo (Martti Suosalo) zu treffen. Also begibt sie sich selber in die Scharade der Lügen, befreundet sich zum Schein mit der Konkurrentin und wechselt dafür Namen und Beruf: Psychoanalytikerin statt Gynäkologin.

Dass die Intrigantin aus Liebe, einigermaßen abrupt von der Leidenden zur Bösen wechselnd, irgendwann die Kontrolle über das Geschehen verliert, gehört zur Natur des Genres. Leider gerät dann auch der Thriller eher gynäko- als psychologisch. Dazu gibt es Schwangerschaften und Polizei-Einsätze, Maskenbälle, Tränen und falsche Küsse unter Frauen. Und dann werden auch noch Schlummertropfen in den Whisky geträufelt, schlimm, schlimm!

Die Berlinale will in den nächsten zehn Tagen ausdrücklich viele Geschichten von derangierten Familien erzählen. Sollte das eine Drohung sein? „Musta Jää“ ist eine für den sehr kleinen Bildschirm der menschlichen Fantasie.

Heute 9.30 und 21 Uhr (Urania) sowie 17. 2., 21 Uhr (Urania)

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