Wettbewerb : Knackknack, zackzack

Hans Petter Molands „A Somewhat Gentle Man“ ist eine lakonische Komödie aus Norwegen mit spröden Figuren, kargen Settings und schrägen Humor, der manchmal daneben geht.

Julian Hanich
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Im Aufzug nach oben: Ulrik (hinten) und die Gangster. -Foto: Berlinale

Gut gelaunt sieht anders aus. Als Ulrik (Stellan Skarsgård) eines matschigen Wintertages nach zwölf Jahren aus dem Gefängnis entlassen wird, blickt er der Welt schmallippig, graugesichtig und ziemlich missmutig entgegen. Nicht zu Unrecht. Denn was erwartet ihn denn schon da draußen? Kein Mensch hat sich seinen Entlassungstag gemerkt. Sein Sohn kennt ihn gar nicht mehr. Er soll den Kerl abmurksen, der ihn einst verpfiffen hat, obwohl er dazu eigentlich gar keinen Bock hat. Und sein Gangsterboss klopft sich die Schuhe ab, bevor er ins Auto steigt – geht’s noch uncooler?

Doch Ulriks unausgeschlafenes Antlitz wird bald einen rosigeren Teint bekommen. Denn: Die Welt meint es gut mit ihm. Schnell hat er eine Wohnung, einen Job und sogar Kontakt zu seinem Sohn. Und allenthalben trifft er Damen, die ihm nicht nur tiefgekühlte Fischstäbchen braten, sondern sich anschließend auch noch sehr bereitwillig für eine schnelle Nummer anbieten. Gut, das ist alles nicht mehr taufrisch – weder der Fisch noch das Fleisch. Aber, hey, auch Ulrik trägt hinten seinen grauen Zopf als Kompensation für das, was ihm vorne an Haaren fehlt. Aus Dank macht der Ex-Knacki schon mal knackknack – und zackzack sind einem prügelnden Ehemann die Unterarme gebrochen. Am Ende – da schließt sich der Kreis – sieht man Ulrik gut gelaunt in die Sonne blinzeln. Er lächelt. Zeiten ändern dich, keine Frage.

Der 54-jährige norwegische Regisseur Hans Petter Moland – 2004 mit „The Beautiful Country“ im Wettbewerb – schickt dieses Mal eine dieser lakonischen Komödien aus Skandinavien ins Rennen, die sich durch spröde Figuren, karge Settings und Humor der Sorte „schräg“ hervortun. In „A Somewhat Gentle Man“ geht das Schräge freilich manches Mal schief. Scherze über schlecht einparkende Frauen etwa – die dann auch noch zur Strafe in einer Mülltonne entsorgt werden – gehören selbst in die Tonne getreten. An anderen Stellen ist der Film aber durchaus launig, ja gelegentlich hält er sogar ein paar Lacher bereit. Insgesamt gleicht das Tempo des Films leider gefährlich dem behäbigen Trott seiner Hauptfigur. Leichtfüßig sieht anders aus.

Heute 12 Uhr (Friedrichstadtpalast), 18.30 Uhr (Hackesche Höfe), 22.30 Uhr (International), 21. 2., 19.30 Uhr (Berlinale Palast)

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