Kultur : Wichtig, wichtig!

„Die Unperfekten“: Begegnung mit Tom Rachmann

Ob so ein Satz im Klappentext eines Buches wirklich verkaufsförderlich ist? „Die Unperfekten“, schreibt der Deutsche Taschenbuch Verlag unter die Biografie seines Autors Tom Rachman, „erzielte in den USA einen der höchsten Vorschüsse, die in den letzten zehn Jahren für ein literarisches Debüt bezahlt wurden“. Eine seltsame Information, die suggerieren soll: Kann gar nicht anders als gut sein, dieser Roman. Muss also mindestens ein neuer Jonathan Franzen sein, dieser Autor, den sein deutscher Verlag bei einem Essen im Hessischen Hof präsentiert.

Wer vorher wenig über Rachman und seinen Roman wusste, weiß nach diesem Essen alles. Der unscheinbar freundliche, jünger als 36 Jahre wirkende Kanadier erzählt, wie er unbedingt Schriftsteller werden wollte, dass er, wie es das Klischee will, dafür nach Paris ging, seinen ersten Roman-Versuch in die Tonne trat, dann bei der „International Herald Tribune“ in Paris anheuerte, schließlich noch einmal anfing, und siehe da: Sein Roman über das Innenleben einer internationalen Zeitung in Rom und ihre Mitarbeiter wurde etwas. Kein Märchen, aber ein internationaler Erfolg.

Rachman berichtet dann noch alles Mögliche über die Vorbilder seiner Figuren aus der Realität (keine! Aber viele fanden sich wieder!) über die Schwierigkeiten des Schreibens und die Zukunft des Buches. Seine Performance vermittelt irgendwann tatsächlich den Eindruck, dass „Die Unperfekten“ mindestens so wichtig ist wie Franzens „Freiheit“. Ist es aber nicht. Nurmehr ein anständiger Unterhaltunsgroman mit einigen Journalistenklischees. gbar

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