Kultur : Wichtige, starke Höhepunkte Janowskis „Walküre“

in der Philharmonie.

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Der zweite Aufzug der „Walküre“ zieht sich hin. Und enthält doch, wie Richard Wagner fühlt, „zwei so wichtige und starke Katastrophen, dass dieser Inhalt eigentlich für zwei Akte genug wäre.“ Der Dramatiker Wagner meint die Entsagung Wotans und den Tod Siegmunds in der Handlung am ersten Tag des Bühnenfestspiels. Ein hilfloser Gott, der kein Gott mehr ist, opfert seinen Sohn. In langer Rede, die das Geschehen dominiert und oft kritisiert worden ist, erklärt Wotan seine Unfreiheit aus eigener Schuld. Man kann die Geduld verlieren über diesem Monolog, der nicht zuletzt Inhaltsangabe ist, von den Anfängen des „Rheingold“, von Zwergen und Riesen, Vertragsbruch und Fluch über die Wälsungentragödie bis zum Ende, das der Gott nun „will“.

In der hoch dramatischen Aufführung, mit der Marek Janowski und sein Rundfunk-Sinfonieorchester Berlin ihren „Ring des Nibelungen“ weiterschmieden, ist die rezitativische Erzählung ein Höhepunkt, weil sie musikalisch im Göttermythos geborgen ist. Und der beherrscht auf beredteste Weise das Klangbild und schließt das der Geschwisterliebe ein. Größere Einheitlichkeit kann das vielstoffige Drama nicht gewinnen als in dieser umjubelten konzertanten Aufführung.

Tomasz Konieczny singt einen lyrischen Wotan so unmittelbar, als wollte er Wort für Wort Verschwiegenes entdecken: „Mit mir nur rat’ ich, red’ ich zu dir“. Spannendes Theater bringt Iris Vermillion in die Philharmonie. Ihr Auftritt in der Rolle der gekränkten Gattin Fricka wirkt wie die Offenbarung einer wesenswahren Heroine. Janowski gelingt es mit seinen Musikern, Robert Dean Smith und Melanie Diener als Siegmund und Sieglinde zu Höchstleistungen zu animieren, zumal der Tenor fesselt mit ungeahnter Eindringlichkeit seiner Phrasierungen.

Problematisch bleibt bei aller Fertigkeit die Brünnhilde der Petra Lang, die in der Rolle der Brangäne berühmt geworden ist, ein Sopran mit eingedunkelter Intonation. Imposant das Oktett der Walküren, darunter Carola Höhn von der Staatsoper und Fionnuala McCarthy von der Deutschen Oper. In Edelkonkurrenz mit den „Ring“-Projekten dieser beiden Berliner Opernhäuser, von denen szenisch nicht viel Aufregendes zu erwarten ist, wird sich Janowskis „Ring“ im Wagnerjahr 2013 schließen. Sybill Mahlke

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