Kultur : Wie aus Deutschen Nazis werden - ein Film von Didi Danquart

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Im Schwarzwald gehen die Uhren ein bisschen langsamer. Von Hitler im fernen Berlin hatte man 1933 gehört, natürlich, aber was kümmerte die Dörfler hinter den sieben Bergen die Politik? Aber dann quartieren sich ein paar Herren von der Reichsbahn ein im Gasthof "Zum Bären" und streuen braunes Gift in die Bauernköpfe. Einen eindringlichen Film hat Regisseur Didi Danquart da geschaffen, und es war schade, dass er am Sonntagabend zum Kinostart von "Viehjud Levi" nicht wie geplant im Kino in den Hackeschen Höfen anwesend sein konnte. Martina Döcker, Co-Autorin des Drehbuchs nach einem Theaterstück von Thomas Strittmatter, aber wird ihm erzählen können, wie gebannt und mucksmäuschenstill die Zuschauer die allmähliche Wandlung der Menschen im Film verfolgten. Vor der Realisierung des Films hatte Didi Danquart Theateraufführungen quer durch die Republik besucht, auf der Suche nach der idealen Besetzung auch für die kleinste Nebenrolle. Stellvertretend für das hochkarätige Ensemble, darunter Eva Mattes, Bruno Cathomas und Ulrich Noethen, durfte Bernd Michael Lade den Beifall entgegennehmen. Als Assistent des sächsischen Tatort-Kommissars für sein rotzfreches Benehmen bekannt, durfte er auch in "Viehjud Levi" einen Querkopf mimen und musste als "Rote Sau" Prügel einstecken. Der Film zeigt nicht, wie aus Deutschen Nazis werden, sondern wie Menschen - den eigenen Vorteil vor Augen - Moral und Gewissen vergessen. Geht dies Lehrstück nicht mehr unter die Haut als das Tribunal um den KZ-Arzt Mengele in "Nichts als die Wahrheit"? Den umstrittenen Film wolle er sich auf jeden Fall noch ansehen, um sich selbst ein Urteil zu bilden, sagte Bernd Michael Lade, auch, weil "siebzig Prozent der Filmkritiker ohnehin keine Ahnung haben". "Viehjud Levi" immerhin wurde zur Berlinale gelobt und heimste den Caligari-Filmpreis ein.

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