Kultur : Wie der Krieg klingt

FORUM Starke Frauen aus Südafrika rebellieren gegen Riten ihrer Heimat.

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Neben dem Aufspüren neuer Filmsprachen wurden im Forum immer auch mit Leidenschaft uns bis dahin unbekannte Sprachvarietäten auf der Leinwand präsentiert. Auch diesmal haben die Forum-Scouts mit dem südafrikanischen Tshivenda eine neue Sprache und die dazugehörige Ethnie der Venda gefunden. „Elelwani“ heißt der Film und seine Heldin. „Elelwani“ bedeutet auf Tshivenda „Erinnern“. Die Verfilmung eines Romans aus den 50er Jahren beginnt als klassische Selbstverwirklichungsgeschichte, die die Brüche zwischen Tradition und Moderne am Körper und den Freiheitsmöglichkeiten einer Frau durchspielt: Elelwani eben, die mit einem frisch erworbenen Diplom in der Tasche und dem Lebensgefährten im Auto zu einer Stippvisite in ihr Heimatdorf zurückkehrt, bevor sie ein Stipendium in den USA antreten will. Sie wird begeistert empfangen, muss aber erkennen, dass die Feierlichkeiten im Dorf nicht dem bestandenen Examen, sondern den Abgesandten eines Stammesfürsten gelten, der ihre Ausbildung bezahlt hat und sie jetzt zum Lohn als Drittfrau einfordert. Elelwani lehnt ab. Doch weil die Eltern sich bei der Pflicht, die Abgesandten durchzufüttern, ruiniert haben, finden diese einen Weg, ihre Ziele durchzusetzen.

Auch der andere Forumsfilm schickt eine junge gut ausgebildete Heldin von der Stadt in ihr Heimatdorf. Dort will Fatu aus freien Stücken den Mann ihres Herzens heiraten. Fatu hat ihren aus Europa angereisten Vater gebeten, sie zu begleiten, der im Befreiungskrieg für die Kolonialmacht gekämpft hatte und unter diesem Verrat in seiner Seele leidet. Auch sonst spielen in „A batalha de Tabatô“ die Wunden der kolonialen Vergangenheit von Guinea-Bissau eine große Rolle, die als Spuren überall sicht- und hörbar sind.

Beide Filme setzten auf die Neuaneignung traditioneller Kultur, sind aber ästhetisch und inhaltlich grundsätzlich anders. Ntshavheni Wa Luruli, der selbst Venda ist, inszeniert nach internationaler Arthaus-Manier (ein europäischer Film mit solch glatter Ästhetik würde nie im Forum laufen) mit durchsichtiger Symbolik und opulent afrikanisierenden Ex- und Interieurs, die zumindest an der Grenze zum Ethnokitsch liegen. João Viana erzählt in Schwarz-Weiß und halb dokumentarischen Aussichten mit einem Soundtrack, der zwischen den Klängen des Krieges und den Rhythmen der Balafone (eine Art großes Xylofon) und anderer traditioneller Instrumente vibriert.

Frauenopfer gibt es am Ende bei beiden: In „A batalha de Tabatô“ ganz direkt und damit irgendwie ehrlich, während Elelwani sich erst symbolisch den autoritären Gesetzen unterwerfen muss, bevor der Film in einer verkorksten Auflösung die Versöhnung von Tradition und installierter Frauenpower zum Wohle aller preist. Silvia Hallensleben

„A batalha de Tabatô“ 15.2., 21.30 Uhr (CineStar8); 16.2., 12.30 Uhr (Arsenal 1);

„Elelwani“ 15.2., 17.30 (Arsenal 1)

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