Wie die FPÖ Österreich verändert : Bis zur Heimholung Südtirols

Österreich steht Kopf: Touristen sind willkommen, Flüchtlinge nicht. Der Kanzler ist zurückgetreten, ein möglicher Bundespräsident trägt ein altes Nazi-Symbol am Revers. Und dann geht es auch noch um Registrierkassen.

Josef Mitterer
Fremde? Ja, aber bitte nicht solche: Geflüchtete an der deutsch-österreichischen Grenze.
Fremde? Ja, aber bitte nicht solche: Geflüchtete an der deutsch-österreichischen Grenze.Foto: dpa
Autor

Josef Mitterer, geb. 1948, ist Philosoph. Er lehrt an der Alpen-Adria-Universität in Klagenfurt und lebt in Wien und Tirol.

Ob jetzt noch alles gut wird in Österreich? Seit Donnerstag hat das Land nach dem Rücktritt von Werner Faymann wieder einen designierten Bundeskanzler. Der SPÖ-Parteivorstand hat sich auf einen erfolgreichen Manager geeinigt, der aus der Sozialdemokratie in die Wirtschaft gewechselt ist und jetzt zurück in die Politik geht. Christian Kern, bisher Generaldirektor der Österreichischen Bundesbahn, wird nächste Woche sein Amt als SPÖ-Parteichef antreten und plant auch eine Regierungsumbildung.

Der entscheidendere, Österreich vermutlich sehr ins Blau-Dunkle rückende Termin ist der 22. Mai, die Stichwahl des Bundespräsidenten. Es treten an: Norbert Hofer von der rechten FPÖ mit 35 Prozent im ersten Wahlgang, dahinter der favorisierte Grüne Alexander van der Bellen mit 22 Prozent. Die Kandidaten der regierenden Sozial- und Christdemokraten landeten abgeschlagen bei je knapp über 10 Prozent und sind nicht mehr dabei.

Es wird vor allem eine Protestwahl sein – nur dass der Wirtschaftsprofessor und langjährige Grünen-Vorsitzende van der Bellen kein Mann für Protestwähler ist. Die Grünen koalieren in einigen Bundesländern mit den Schwarzen, in Wien mit den Roten. In Wien leben viele Migranten. Da lag van der Bellen im ersten Wahlgang vor Hofer. Van der Bellen war zudem in Graz Erster, in Innsbruck, in St. Anton am Arlberg und im Kaunertal, wo er herkommt. Oder besser: Wo er hingekommen ist als Flüchtlingskind mit den Eltern aus Estland. Auch in Vorarlberg wird er wohl die Stichwahl gewinnen. Aber sonst?

Außerhalb der Städte, in den Landgemeinden, lässt sich noch gut Angst haben vor den Asylbewerbern, die uns den Fernsehabend verderben. In Tirol haben zwei Drittel der Gemeinden noch keinen einzigen Flüchtling beherbergt. Und besonders zahlreich Hofer gewählt. Dafür floriert der Fremdenverkehr. Verkehrte Welt. Bei den Landtagswahlen in Oberösterreich hat die FPÖ in jenen Orten, in denen Flüchtlinge untergebracht sind, meist schlechter abgeschnitten als in solchen ohne.

Bis in die Diktion wiederholt die Hofer-FPÖ die Demagogik Jörg Haiders

Im Unterstützungskomitee für van der Bellen haben sich inzwischen über tausend Leute eingeschrieben. Künstlerinnen, Burgschauspielerinnen, Musiker, Dichter, Denker, Biobauern, Winzer, Ärzte. André Heller ist dabei, der Oscar-Preisträger Christoph Waltz, ein ehemaliger EU-Kommissar, der Ex-Vizekanzler Josef Pröll, Bürgermeister, Sozialdemokraten, Banker und sogar ein leibhaftiger früherer Generalsekretär der FPÖ. FPÖ-Kandidat Norbert Hofer hat dagegen nur einen einzigen Promi als Unterstützer gefunden, den Stratosphärenspringer Felix Baumgartner. Dieser wohnt zur Steueroptimierung in der Schweiz und schimpft von dort auf Asylanten und die Idioten in der Regierung.

Was sagt Hofer zu dieser Ungleichheit? Der Konkurrent habe die Hautevolee auf seiner Seite, er aber die Menschen im Land. Hofer hat viel vor. „Ich werde als Präsident ein Schutzherr für Österreich sein.“ Letzthin hat seine Partei in den Printmedien inseriert: „Norbert Hofer. Nur ER will das Bargeld erhalten. Die STIMME der VERNUNFT“. Bis in die Diktion wird die erfolgreiche Demagogik des verunfallten Jörg Haider wiederholt. Das groß geschriebene ER, die direkte Ansprache, „Aufstehen für Österreich“, „Deine Heimat braucht Dich jetzt“.

Hofer ist auch Ehrenmitglied einer rechten, deutschnationalen Burschenschaft. Wie andere FPÖ-Mandatare trägt er sogar bei offiziellen Gelegenheiten die Kornblume am Revers, das Erkennungszeichen der illegalen Nazis vor 1938. Hofer trägt sie nur wegen der blauen Farbe, der FPÖ-Parteifarbe, sagt er. Dafür vertritt er als Autor des „Handbuchs freiheitlicher Politik“ rechtsextreme Positionen. Als Kandidat distanziert sich Hofer von den Identitären, einer neu-rechten Gruppierung, die kürzlich die Aufführung eines Elfriede-Jelinek-Stücks gestört hat. FPÖ-Parteichef HC Strache unterstützt die Identitären, Funktionäre machen sich mit ihnen gemein, Hofer will mit ihnen nichts zu tun haben. Der eine Rechte weiß halt nicht, was der andere tut.

82 Kommentare

Neuester Kommentar