Kultur : Wie du bist

„Spuren eines Lebens“ von Lajos Koltai im Kino

Daniela Sannwald

Mütter und Töchter dominieren diesen Film, aber eigentlich geht es doch wieder um Männer, einen richtigen und mehrere falsche. Trotzdem erweckt „Spuren eines Lebens“ mitunter den Anschein eines etwas altbackenen Frauenfilms. Das liegt an der Rahmenhandlung, in der die alte Ann, gespielt von Vanessa Redgrave, im Sterben liegt. Diese Szenen finden in einem von schrägen Sonnenlichtstreifen erhellten Schlafzimmer statt, und Redgrave muss, mit weit aufgerissenen blauen Augen, geflochtenem Zopf und einem weißleinenen Nachthemd ganz kleinmädchenhaft werden, was einer erwachsenen Frau nie gut bekommt.

Einmal verlässt sie das Bett, um barfuß einem Schmetterling nachzujagen, hüpfend, ins Leere greifend. Zwischendurch belehrt sie ihre Töchter mit Botschaften wie „Steh zu deinen Gefühlen“ oder „Du bist ok, so wie du bist“. Toni Collette und Natasha Richardson, die reale Tochter Vanessa Redgraves, verkörpern die Adressatinnen und führen nebenbei – klischeegemäß die eine schräg und unangepasst, die andere bürgerlich und bieder – einen kleinen Schwesternkrieg.

Aber die Rückblenden, die den größten Teil des Films ausmachen, sind wunderbar und erzählen von einer Zeit, in der es nicht selbstverständlich war, dass Frauen ihr Leben selbst in die Hand nahmen, von den Fünfzigerjahren nämlich. Damals lebte Ann als Sängerin in New York und reiste zur Hochzeit ihrer besten Freundin Lila ins Seebad Newport, seinerzeit Treffpunkt der Reichen und Schönen. Dort trifft sie Harris, den Gärtnerssohn, in den auch Lila verliebt ist. Als Lilas Bräutigam aber kommt er nicht in Frage, in der Society wird standesgemäß geheiratet, und Ann versucht einerseits, die Freundin von zukünftigem Eheunglück abzuhalten, andererseits hat sie sich selbst in Harris verguckt.

Lajos Koltai, Kameramann vieler Filme István Szabós, hat Regie geführt und alle Rückblenden in flirrendes Tages- und goldenes Nachtlicht getaucht, Kostüm- und Setdesigner haben Orgien gefeiert, und dann hat noch Meryl Streep als gealterte Lila – die junge wird von Streeps Tochter Mamie Gummer verkörpert – einen Auftritt, bei dem sie beweist, dass sie an Präzision, Wahrhaftigkeit und Präsenz allen anderen überlegen ist – auch Vanessa Redgrave. Daniela Sannwald

In Berlin in den Kinos Cinemaxx Potsdamer Platz, CineStar Tegel, CUBIX Filmpalast Alexanderplatz, Titania Palast, OV im CineStar Sony Center.

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