Kultur : Wie du mir, so ich dir

Steffen Richter

über ein paar überraschende Paarbildungen Schriftsteller sind durchaus keine Einzelgänger. Manchmal scheint es sogar, als gehörten sie einer Spezies an, die bevorzugt als Paar auftritt. Warum? Um sich Briefe zu schicken. Oder ästhetische Lichter aufzusetzen wie unsere unvergessenen Weimarer Dioskuren. Oder um zusammen Kriminalromane zu schreiben wie Fruttero & Lucentini. Oder auch, wie T.S. Eliot und Ezra Pound, um in Europa gemeinsam Amerika zu vergessen. Doch „Autoren-Tandems“, die in Gestalt der „Doppellesung“ auftreten, sind neu. Ein Zeichen literarischer Globalisierung müsste man sie nennen, denn allerorten steht kultureller Transfer auf der Tagesordnung. „Wer den Dichter will verstehen“, dekretiert schon Goethe, „muss ins Land des Dichters gehen.“ So spricht der Meister im „West-östlichen Divan“, der den deutsch-arabischen Autorenbegegnungen im Haus der Berliner Festspiele den Titel gibt. Martin Mosebach und Marica Bodrožic etwa waren in Ägypten, Ulrike Draesner in Marokko und Michael Kleeberg im Libanon. Im Gegenzug sind der ägyptische Romancier Edwar al-Charrat und der marokkanische Lyriker Abdallah Zrika in die Bundesrepublik gekommen. Vom 26. bis 28.5. (jeweils 20 Uhr) erzählen sie, was sie an Fremdem und Befremdlichem entdeckt haben.

Ein anders Autoren-Duo findet in Schloss Wiepersdorf zusammen (30.5., 16 Uhr). Seinen gemeinsamen Nenner hat es auf dem Meer und beim Mare-Verlag. Die große Reisende Felicitas Hoppe lässt „Verbrecher und Versager“ nach Batavia oder Ceylon flüchten. Den Niederländer Alfred van Cleef dagegen zieht es auf „Die verirrte Insel“ – ein 55-Quadratmeter-Flecken im Indischen Ozean. Denn „vom Hörensagen kennt jeder die Welt“, heißt es bei Hoppe, „nur mit eigenen Augen hat sie niemand gesehen.“

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