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Kultur : Wie ein Film, der rückwärts läuft

Hermann Rudolph

In der DDR galt die Ruine des Dresdner Wahrzeichens als Mahnmal. Dann kam die Wende - und mit ihr die Wiederaufbau-Idee. Seit zwei Tagen ist sie im Stadtbild zum ersten Mal seit 55 Jahren wieder sichtbarHermann Rudolph

Morgens um sechs beginnt das Gerüst zu klirren. Während die Morgensonne die Stahlstreben streichelt, hallen die ersten Hammerschläge über den leeren Platz. Dann schweben die ersten Transporte der Kräne nach oben, tauchen die Monteure an der Rampe auf, wo sie - kleine, geschäftig hin- und hereilende Figuren - seit drei Tagen tätig sind. Kurz nach sieben Uhr setzt sich langsam das riesige, 240 Tonnen schwere Dach in Bewegung, geführt von schmalen Stützen, geschoben von der unsichtbaren Kraft der Hydraulik. Zwei Stunden später schwebt das Dach fünf Meter höher über dem filigranen Gespinst der Stahlträger. Auf mehr als vierzig Meter ist der große Käfig, der den Bau der Frauenkirche umgibt, in den letzten drei Tagen gewachsen.

Eigentlich hat die technische Prozedur - neunzehn Seiten Ablaufschema, ein halbes Dutzend Anlagen - einen höchst profanen Zweck. Sie hebt das Dach an, das die Bauarbeiten vor der Witterung schützt. Doch die Kür der hohen Ingenieurtechnik markiert auch eine wichtige Stufe in dem langen Prozess des Wiederaufbaus des Dresdner Wahrzeichens. Mit ihr wächst die Baustelle heraus aus den Häusern der Stadt. Unübersehbar steht sie seit dieser Woche inmitten ihrer Silhouette, zwischen dem Schlossturm, der eleganten Nadel der Hofkirche und der Kuppel der Akademie der Künste, über den Bauten von Ständehaus, Sekundogenitur und Akademie, die die Brühlsche Terrasse an der Elbe säumen. Der Wiederaufbau, vor bald zehn Jahren begonnen, erhebt seinen Anspruch auf seinen Platz im Bild Dresdens.

Irgendwie ist es sogar ein historischer Augenblick: Zum ersten Mal seit 55 Jahren ragt nun dort, wo seit der Zerstörung der Stadt im Februar 1945 nichts mehr war, wieder etwas auf. Man muss ja sechzig oder siebzig Jahre alt sein, um das berühmte Bild der Stadt mit ihren Kuppeln und Türmen noch mit eigenen Augen gesehen zu haben, deren Herzstück die Frauenkirche war. Wer jünger ist, dem blieb nur die Kunstgeschichte, für die dieses Stadtpanorama zweihundert Jahre lang ein großes, immer wieder gemaltes Motiv war - angefangen mit den berühmten Veduten Canalettos über Romantiker und Impressionisten bis zur Moderne der Kokoschka und Dix. Immer war die große Kuppel der Ruhepunkt, die "steinerne Glocke", die dem Panorama den warmen Grundton gab, der sanft beherrschende Mittelpunkt. Nun meldet sich das Bild zurück, wenngleich sozusagen vorerst noch als metallen starrende, fast graphisch wirkende Landmarke.

Mit einem Mal wird wieder spürbar, was für ein Abenteuer dieser Wiederaufbau bedeutet, der eigentlich eine Wiedergeburt aus Trauer, Trotz und Trümmern ist. Denn das Problem von Zerstörung und Wiederherstellung, von Altem und Neuem stellt sich bei der Frauenkirche in zugespitzter, fast handgreiflicher Form, und der Ablauf dieses Bauvorhabens kann gar nicht anders, als tiefere Bedeutung zu beschwören. Der Wiederaufbau bezieht ja nicht nur die beiden Ruinenstümpfe ein, die die Nachkriegsjahre als Mahnmal überdauert haben. Fast die Hälfte der Steine, die verbaut werden, stammen aus dem Trümmerhaufen, den die Zerstörung hinterlassen hat.

Mit einem aufwendigen Verfahren sind die Steine identifiziert worden und werden an den Plätzen wieder eingefügt, an denen sie sich zweihundert Jahre lang befanden. An den schon errichteten Teilen des Kirchenkörpers erkennt man neben dem neuen, hellen Sandstein die alten schwarzen Trümmersteine - und noch immer sind die mächtigen Regale neben der Kirche voll mit den alten, geretteten Steinen, die auf ihren Einbau warten. So gewagt das Bild ist: Ein bisschen ähnelt das Unternehmen einem Film, der rückwärts läuft. Der Sturz, den die Kirche vor mehr als einem halben Jahrhundert tat, am Tag nach der Zerstörung der Stadt, als die Kuppel wegen der Hitze in das Kirchschiff hineinbrach, wird sozusagen zurückgeführt. Die Steine des Trümmerberges finden wieder in die alte Form der Kirche. Nur dauert es, wahrhaftig, etwas länger.

Bewusst bewegen sich die Bauleute auch auf den Spuren des genialen, ehrgeizigen Ratszimmermeisters George Bähr, der die Frauenkirche von 1722 an erbaute. Dieser Bau, der größte protestantische Kirchenbau diesseits der Alpen, war ein Wagnis, eine Herausforderung, und vor allem bei der großen steinernen Kuppel, dieser mitteleuropäischen Antwort auf die Peterskirche in Rom und den Dom in Florenz, vertraute er mehr seiner Intuition als dem bautechnisch Möglichen. Eigentlich hätte der Bau, so wie ihn Bähr errichtet, gar nicht funktionieren dürfen - dass er es trotzdem, zwei Jahrhunderte lang, tat, machte die Frauenkirche schon zu Zeiten ihres ersten Lebens zu einem Wunder. Natürlich hätte man den Bau heute ganz anders anlegen können, und es hat auch die Überlegung gegeben, sich mit einer Zement-Kuppel zufrieden zu geben. Aber, so sagt Baudirektor Eberhard Burger, es ist die "innere Wahrhaftigkeit des Baus", die die Erbauer der Frauenkirche veranlasst, so weit wie möglich dem Bährschen Konzept zu folgen.

In dem Bau steckt ein Lernprozess, der gespickt ist mit neuen Einsichten und bislang unerprobten Überlegungen. Der Gedanke etwa, den Aufbau unter jenem Wetterdach zu vollziehen, mit dem die Baustelle nun so heftig ins Stadtbild drängt, ist herausgewachsen aus den Erfahrungen, die man in den ersten Jahren gemacht hat. Schon bei der Beräumung des Trümmerberges wurde man auf die Witterungsempfindlichkeit des Sandsteins aufmerksam, der auf Wärme und Kälte extrem reagieren kann. Die Stahlskelett-Konstruktion, unter der nun gearbeitet wird, ist "wirklich bisher noch nicht gemacht worden", sagt Burger nicht ohne Stolz. Auch die Nutzbarmachung der Unterkirche als Raum für Führungen, Gottesdienste und Konzerte ist so ein Lern-Ergebnis. Dass eine Baustelle während der Bauzeit dafür genutzt werden kann, ist etwas, so räumt Burger ein, was Bauleuten nicht leicht eingeht. Es ist ein Gedanke, der sich glänzend bewährt hat. Nun ist sie der Ort, von dem aus "das Haus mit Leben" gefüllt wird, wie Stephan Fritz, der eben eingeführte erste Pfarrer der Frauenkirche sagt.

Aber das Sichtbarwerden des Baus legt auch nahe, sich klarzumachen, dass das ganze Unterfangen in einem viel weiteren Sinne zu einem Prozess des Bewusstseinswandels geworden ist. Am Anfang stand 1990, am Jahrestag der Zerstörung der Stadt, der "Ruf aus Dresden", eine Bürgerinitiative, getragen von der Aufbruchstimmung der Wendezeit. Verfasst von zahlreichen prominenten Bürgern der Stadt gab sie der Diskussion über das Schicksal der Frauenkirche, die in Dresden in der gesamten Nachkriegszeit immer wieder aufgeflammt war, mutig eine weit reichende Perspektive. Gerade weil man sich klar darüber war, dass weder Stadt noch Land noch die sächsische Landeskirche einen Wiederaufbau finanzieren konnten, rief man zu einer weltweiten Aktion auf. Doch die Initiative erntete keineswegs nur Zustimmung, sondern auch Skepsis und Ablehnung, auch und gerade in Dresden selbst.

Die Einwände reichten von der schlichten Skepsis nach dem Motto: Das das werden die nie schaffen, bis zu politisch und theologisch begründeten Einwänden. Und sprach nicht manches dafür, die Ruine als Mahnmal zu erhalten und damit diese Wunde des Krieges offen zu lassen? Würde das nicht die von allen gewünschte Nachdenklichkeit besser fördern als eine wieder hergestellte Kirche? Besonders die Kirche und viele Pfarrer taten sich schwer mit dem Gedanken des Wiederaufbaus. Erst 1992 stimmte die Synode der Landeskirche zu. Es kann auch nicht verwundern, dass sich ein kleiner ost-westliche Sprung durch die Debatte zieht. Die massive Befürwortung eines Wiederaufbaus, die aus den alten Bundesländern kam, löste bei manchen Dresdnern Befremden aus. Da gab es, so Burger, Gefühle von der empfindlich-trotzigen Art: Jetzt nehmen sie uns auch noch unseren Trümmerberg weg, den wir als Mahnmal über die Jahrzehnte gebracht haben. Auch schien vielen in den Wirren der Vereinigung der Wiederaufbau der Frauenkirche nicht die wichtigste Aufgabe. Und es ist auch richtig, dass ein entscheidender Schub für die die Unterstützung des Vorhabens aus dem Westen kam, zumal von der Dresdner Bank. Die fühlte sich durch Namen und Gründungort veranlasst, sich nachdrücklich für den Wiederaufbau zu engagieren.

Das alles ist Vergangenheit. Seit der Gründung einer Stiftung Frauenkirche durch die Landeskirche, die Stadt Dresden und das Land Sachsen im Jahre 1994 hat der Wiederaufbau festen Boden unter den Füssen. Seither hat er auch eine erstaunliche Sogkraft entwickelt. Eine große Zahl von Fördervereinen überall in Deutschland unterstützt heute den Wiederaufbau, und die erstaunliche Anhänglichkeit ehemaliger Dresdner beweist sich ein ums andere Mal - die 1,8 Millionen Mark aus seinem Nobelpreis, die Günter Blobel stiftete, ein gebürtiger Schlesier, der seine Kindheit in der Nähe von Dresden verbrachte, sind das spektakulärste Beispiel dafür.

Eine breite Palette von Spendenmöglichkeiten, nach den Regeln des modernen Marketings erdacht, haben das Spendenaufkommen über alle erwarteten Maße ansteigen lassen; mit 150 Millionen Mark Einnahmen rechnet man bis Ende des Jahres, 80 Millionen haben allein die Stifterbriefe der Dresdner Bank eingebracht. Drei internationale Fördervereine, in England, in Amerika und in Frankwerben für die Frauenkirche. Und allen Medien rechneten es sich zur Ehre an, von der Übergabe des in England gefertigten Kuppelkreuzes durch den Herzog von Kent im Februar des Jahres zu berichten.

Aber gewandelt hat sich eben auch die ganze Haltung gegenüber dem Wiederaufbau. Vielleicht, so gibt Eberhard Burger zu bedenken, spricht das wiederhergestellt Gotteshaus, die geheilte Wunde, die ihre Vergangenheit nicht verbirgt, heute, doch vernehmlicher für Frieden und Verständigung als die Ruine? Zu registrieren ist jedenfalls, dass die Frauenkirche schon lange vor ihrer Fertigstellung zum Anziehungspunkt geworden. Die Zahl der Besucher liegt inzwischen in der Grössenordnung von gut Zehntausend im Monat, bei den großen Veranstaltungen, der Vesper zu Weihnachten oder dem Gedenken an die Zerstörung Dresdens, bringt der Kirchenbau ein Mehrfaches auf die Beine, und die Konzerte in der Unterkirche finden durchaus lebhaften Zuspruch. Schon 2004 soll nun die Einweihung gefeiert werden. Des zu erwartenden Andrangs wegen und weil die Kirche nur 1800 Plätze hat, werd es dabei, so unkt Eberhard Burger schon sächsisch-skeptisch, vielleicht mehr Ärger als Freude geben.

Wolfgang Mischnick, der FDP-Politiker, der plötzlich vor der Baustelle auftaucht, weil der leidenschaftliche Dresdner den Augenblick der Dach-Anhebung nicht verpassen wollte, pflegt übrigens Fragen nach dem Zweck des Metall-Kolosses mit der Antwort zu bescheiden: eine Grossgarage. Nach der Frauenkirche, das ist wahr, sieht das stählerne Gehäuse noch nicht aus. Aber geht man näher heran, so zeichnen sich hinter dem Gestänge schon plastisch die Außenhaut ab. Und in der luftigen Höhe unter dem Schutzdach wachsen die Bögen, Simse und Mauern der Kirche. Und es kostet gar nicht mehr so viel Phantasie, sich vorzustellen, dass sich aus dem gewaltigen Stahlkäfig eines Tages die berühmte Kuppel herausschälen wird.

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