Wie ein Rentner die Stadt erleben kann : Im Adlon nach dem Alten sehen

Lothar Heinke

Das war anno dazumal schon etwas Besonderes: Über jeder Tür zum Hotelzimmer hing eine große, goldgerahmte ovale Lampe mit drei farbigen Birnen. Leuchtete es weiß, wünschte der Gast den Kellner, bei Rot das Zimmermädchen, mit dem grünen Signal rief man den Diener. 100 Jahre später liegt diese technische Spielerei neben vielen anderen historischen Zeugen in einer Vitrine – glorreiche Hotelgeschichte unter Glas, zur nachdenklichen Erinnerung und zum Staunen. Die Ausstellung auf der Bel Etage des Hotels Adlon hat zwei Anlässe: Vor zehn Jahren ist der Neubau mit dem alten Namen von Bundespräsident Herzog eröffnet worden, vor 100 Jahren kam Kaiser Wilhelm an den Pariser Platz zum Herrn Adlon, als der sein Hotel mit Champagner begoss. Die Luxusherberge mit der allerfeinsten Ausstattung kostete damals fast 20 Millionen Mark – das Dreifache der ursprünglichen Planung.

Das Besondere, Exquisite, manchmal auch Grandiose und dann wieder das Allzumenschliche, was sich auf der Bühne und hinter den Kulissen dieses Hotels abspielte, können wir hier empfinden und nachfühlen: Sogar eine Weinflasche von 1909 („Bordeaux La Lagune“) haben sie aufgetrieben, Louis Adlons Gästebuch mit Enrico Carusos Selbstbildnis von 1913 und zwei Wärmflaschen mit den güldenen Initialen des Hotels aus Meißner Porzellan. Wer hatte diese damals wohl auf dem Bauch?

Das Traurigste in dieser kleinen, aber feinen Schau ist ein Brief an den Genossen Egon Krenz mit dem Rapport, dass der als HO-Hotel Adlon bezeichnete einstige Wirtschaftsflügel in der Otto-Grotewohl- Straße 12 am 10.3.1984, 14 Uhr, gesprengt wird – er stand im Grenzgebiet, zu nah am Brandenburger Tor. Das Adlon war weggepustet. Doch als die Mauern fielen, kam es glamourös zurück. Und weil es so schön dicht dran ist an Gerhard, Angela & Co., steigen sie hier wieder ab – die Mächtigen, die Reichen und die Schönen. Lothar Heinke

Führungen gibt es morgen von 14 bis 17 Uhr sowie jeden ersten Sonntag im Monat.

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