Kultur : Wie Fliegen ticken

Die israelische Truppe Mayumana zeigt in der Komischen Oper die Show „Momentum“.

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Energiespender. Die Tänzer von Mayumana aus Tel Aviv haben ein stark ausgeprägtes Zeitgefühl. Foto: dpa
Energiespender. Die Tänzer von Mayumana aus Tel Aviv haben ein stark ausgeprägtes Zeitgefühl. Foto: dpaFoto: dpa

Das Ensemble aus Tel Aviv, dem Künstler aus 20 Nationen angehören, ist ein israelischer Exportschlager. Und die Show „Momentum“ passt wunderbar zu Berlin. Nicht nur, weil man sich die tollen Performer ebenso gut in einem Berliner Club wie am Strand von Jaffa vorstellen kann. Sie begeistern mit ihrer überbordenden Energie und Lebenslust, der ein Hauch von Anarchie beigemischt ist.

Diese Lässigkeit, dieser Enthusiasmus! Die multikulturelle Gruppe, die 1996 von Boaz Berman und Eylon Nuphar gegründet wurde und heute mehr als 100 Mitglieder hat, verbindet ein besonderes Zugehörigkeitsgefühl. Mayumana – das hebräische Wort bedeutet so viel wie Fähigkeiten – versteht sich als große Familie. Hier kann jeder seine vielfältigen Talente einbringen. Für die Darsteller ist es selbstverständlich, sich sozial zu engagieren. In ihrem Theater in der Altstadt von Jaffa bieten sie regelmäßig Workshops für gefährdete Kinder und Jugendliche und für Behinderte an.

„Wir haben festgestellt, dass wir die gleiche Vorstellung davon haben, was Kunst und Kultur gesellschaftlich bewirken sollen“, sagte Iris Berben bei der Begrüßung in der Komischen Oper. Die Schauspielerin hat die Schirmherrschaft für die Deutschlandtournee von Mayumana übernommen – die wiederum mit einem Teil der Erlöse den Verein „Gesicht zeigen!“ unterstützen, der sich für ein weltoffenes und tolerantes Deutschland einsetzt.

In der neuen Show „Momentum“ ticken die Uhren auf der Bühne unterschiedlich. Es geht um die Wahrnehmung von Zeit, und die ist bekanntlich relativ. Zu Beginn nimmt das Stück die Perspektive einer Fliege ein: Für das Insekt bewegen wir uns unglaublich langsam, deshalb betreten die Performer in Zeitlupe die Bühne. Doch es dauert nicht lange, bis zu rockigen Klängen die Fetzen fliegen. Die Boys haben den Appeal von Surfern, die Girls sehen in ihren schwarzen Stiefeln und Knieschonern wie Schwestern von Lara Croft aus, die auch die schweißtreibendsten Moves lässig absolvieren.

Die Tänzer dreschen auf Klangkisten, sogenannte Cajones, ein oder zerpflügen das Wasser. Wenn sie auf mehreren Etagen in ihren Schallkabinen turnen, ergibt sich eine fantastische Sound- und Bewegungscollage. „Momentum“ verschmilzt Tanz, Percussion und neue Technologie auf originelle Weise. Und fügt ein Quäntchen buddhistischer Weisheit hinzu. Das Ensemble kostet den Moment aus. Sandra Luzina

Komische Oper, Vorstellungen bis 21. 7.

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