Kultur : Wie man eine Jungfrau zersägt

Kino I: die türkische Komödie „Hokkabaz“

Daniela Sannwald

Ein schriller Schrei ertönt aus der großen Holzkiste, in der die Jungfrau liegt: Der Zauberer hat sie tatsächlich angesägt. Das liegt an seiner Kurzsichtigkeit und an der seines Assistenten, denn Iskender und Maradona sind beide eitle Brillenträger, die nur dann zur Sehhilfe greifen, wenn es ums eigene Leben geht. Das Engagement im Istanbuler Nachtclub ist dahin, doch schon planen die beiden eine Zaubertournee durch Anatolien. Aus Geldmangel müssen sie im Wohnwagen von Iskenders Bruder übernachten. Der gibt ihn gern – schließlich wohnt darin der Vater der beiden, ein Veteran des Koreakrieges, der davon träumt, bei den Helden der berühmten Schlacht von Canakkale begraben zu werden. Grundstück und Grabstein hat er schon gekauft.

Erste Station ist das Kaff Engelli, das heißt: „mit Hindernissen“. Das Dorf befindet sich in Hochzeitsvorbereitungen, die Zauberkünstler werden engagiert. Die Braut steht abends als Freiwillige auf der Bühne. Diesmal soll die Jungfrau nicht zersägt, sondern nur zum Verschwinden gebracht werden. Auch das gelingt Iskender. Endgültig.

Cem Yilmaz, der bekannteste türkische Stand-up-Komiker, ist Regisseur und Hauptdarsteller dieses komödiantischen Roadmovies. Heiterkeit und Ernst liegen nah beieinander in „Hokkabaz“ („Betrüger“): Um Familienbeziehungen geht es, um Freundschaft und die Geschlechterverhältnisse in der patriarchalen Gesellschaft. Neben der entlaufenen Braut, die sich vorbildlich selbstbestimmt verhält, sehen die Männer gar nicht gut aus.

OmU im Alhambra, Karli, Zoo Palast

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