Kultur : Wie wär’s mit Dalberg?

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von Rüdiger Schaper

Wolfgang Heribert von Dalberg, der Intendant des Mannheimer Theaters zu Schillers Zeiten, gilt in der deutschen Bühnengeschichte als leuchtende Figur. Weil er im Jahr 1782 die Uraufführung der „Räuber“ zuließ. Sonst aber, so lesen wir in Rüdiger Safranskis schöner SchillerBiografie, lavierte Dalberg zwischen Duodezfürsten, ihren Damen und Höflingen. Er schrieb selbst Theaterstückchen, aber mehr noch Bitt- und Bettelbriefe für seine Bühne, brachte Shakespeare auf die Bretter (damals durchaus eine Novität), schlug sich mit seinem Star-Mimen Iffland herum, der nach Berlin abwanderte, erließ strenge Verhaltensregeln für Schauspieler und verfiel schließlich in Resignation, ehe er die Geschäfte an seinen Nachfolger (und Schwiegersohn) übergab.

Dieser Dalberg war ein idealtypischer Intendant. So einen Kerl bräuchte man jetzt, im Schiller-Jahr, für das Deutsche Theater Berlin. Denn hier kann momentan jeder Intendant werden – das heißt, keiner. Christoph Schlingensief bringt sich im „Tip“ erneut ins Gespräch, denn er wollte schon immer mal Chefarzt werden. Ebenso der Schauspieler Christian Grashof: Seine Qualität, so verriet er der „Berliner Zeitung“, liege darin, dass er immer nett sei und gut einstecken könne, als erprobter Clowndarsteller. Die eigentliche Qualifikation für den künftigen Chef des Deutschen Theaters wird in der „Welt“ beschrieben: Man muss bei heimlichen Treffs mit Berlins Kultursenator gesehen werden. Andrea Breth zum Beispiel. Sie soll mit Flierl Kaffee getrunken haben, aber der dementiert. Oder Tom Stromberg, noch Chef am Deutschen Schauspielhaus in Hamburg: Er wurde mit Flierl beim Bier erwischt, allerdings rein privat. Nächste Woche kommt Luc Bondy nach Berlin, das kann nur heißen ... Und dieser Tage, wenn es nicht bloß ein weiteres Gerücht ist, trifft Flierls Findungskommission erstmals zusammen. Man hat ja Zeit.

Falls alle Galgenstricke reißen, sei an die historische Mannheimer Lösung erinnert. Damals zog der Hof mit dem Kurfürsten nach München um, und schon ging es dem Theater besser. Also alles zurück von Berlin nach Bonn, weg mit dem furchtbaren Hauptstadterfolgsdruck! Dann findet sich – ganz entspannt – bestimmt ein prima Intendant fürs Deutsche Theater.

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