Kultur : Wieder Setzen

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KLASSIKROCK

Dass Mozart ein Rocker sei, davon überzeugte uns spätestens Milos Formans Film „Amadeus“. Viele haben seither wissen lassen, sie seien derselben Meinung – etwa der Sänger Falco, dessen Hit „Rock Me, Amadeus“ zuletzt sogar ein Musical initiierte. Zu Falcos Band gehörte auch einmal der Akkordeonist Wolfgang Staribacher. Und da hat der Wolfgang sich die Musik seines Salzburger nsvetters mal genau angeschaut, gefunden, dass sie sich tatsächlich gut verrocken lässt, und sich gesagt: „Jetzt spiele ich immer die Musik vom Wolferl, weil das ist eine super Musik, und jetzt brauch ich nur noch andere Musiker, damit wir eine Mozartband machen können.“ So steht es jedenfalls in einem Pressetext. Diese Mozartband, seit ihrer Gründung 1999 vom „Spiegel“ und der „SZ“ gepriesen, hat „Soul“. So heißt jedenfalls ihr neues Programm, das sie in der Philharmonie präsentierten. Gegen Staribachers Arrangements ist nichts zu sagen, außer dass sie immer ein bisschen gleich funktionieren: ein paar atmosphärische Klänge zur Einstimmung, dann beginnt das Schlagzeug einen Groove, Geigen und Quetsche schrammeln zunehmend wilder, das Fagott spielt ein paar muntere Figuren dazu, und drei Sänger versuchen, sich gegenseitig Gehör zu verschaffen. Das geht gut ab! Trotzdem bleibt der tiefere Sinn des Ganzen im Dunkeln. Die meisten Nummern stammen aus Mozarts Oper „Il re pastore“, doch deren Geschichte wird nicht erzählt. Es wird überhaupt keine Geschichte erzählt. Die Musik allein aber ist nicht genug für einen Abend. Selbst ein Popkonzert braucht mehr Dramaturgie als ein paar frei assoziierte Zwischentexte. Den über das Aufstehen und Widersetzen verstanden verschiedene Hörer in der ohnehin schwach besetzten Philharmonie jedenfalls anders, als er wohl gemeint war. Sie setzten sich nicht wieder, sondern verließen das Haus. Jens Luckwald

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