Wiener Burgtheater : 100-Punkte-Plan gegen die Krise

Die Querelen um den entlassenen Intendanten Matthias Hartmann halten das Wiener Burgtheater seit Wochen in Atem. Nun kommt noch ein deutlich höheres Bilanzminus als erwartet hinzu. Doch die „Burg“ gibt sich optimistisch.

Sorgenkind: das Burgtheater in Wien.
Sorgenkind: das Burgtheater in Wien.Foto: dpa

Das Wiener Burgtheater will sich mit einem umfassenden Sanierungsplan aus der Krise befreien. So sollen die Eintrittspreise erhöht und die Zahl der Premieren verringert werden. Rund 100 Einzelmaßnahmen wurden ausgearbeitet, um die Bilanz für 2014/15 um vier Millionen Euro zu verbessern, wie die Interimsintendantin Karin Bergmann und der kaufmännische Geschäftsführer Thomas Königstorfer mitteilten.

In der am Freitag vorgestellten Bilanz für 2012/13 wies das Haus einen Gesamtverlust von 19,6 Millionen Euro aus. Zu den bislang für 2012/13 erwarteten 8,6 Millionen Euro Bilanzverlust komme eine Risikovorsorge von rund elf Millionen Euro hinzu, hieß es. Darin seien drohende Steuernachzahlungen und Beträge für die Entschädigungsklage des Ex-Intendanten Matthias Hartmann enthalten. Hartmann war im März fristlos entlassen worden. Ihm wurde eine Mitschuld an der schlechten finanziellen Lage der renommierten Bühne gegeben.

Die Liquidität für den Spielbetrieb sei gesichert. Insgesamt sei die „Burg“ optimistisch für die Zukunft. Die Umsetzung der 100 Maßnahmen stelle das Haus aber vor große Herausforderungen, sagte Bergmann. Beim Personal sollen rund 1,4 Millionen Euro eingespart werden. Bislang sei dies durch Pensionierungen und nicht nachbesetzte Stellen gewährleistet. Bergmann will mit dem Ensemble aber auch über geringere Gagen verhandeln. Die Produktionskosten sollen dank einer geringeren Zahl von Premieren um 800 000 Euro verringert werden. Die Materialkosten sollen vor allem durch den jüngst vollzogenen Verkauf einer Probebühne gesenkt werden. Der Verkaufspreis lag bei rund 7,5 Millionen Euro, die Bühne soll für 400 000 Euro jährlich zurückgemietet werden.

Beim ehemaligen Burgtheaterdirektor Claus Peymann stieß dies auf Skepsis: „Jetzt wird also für die nächsten Jahrzehnte wieder tüchtig Miete bezahlt“, sagte der Intendant des Berliner Ensembles in einer Mitteilung. Peymann hatte einst den Bau der Probebühne initiiert. Von 1986 bis 1999 war er Intendant der „Burg“. Eine Rückkehr hatte er zuletzt ausgeschlossen. (dpa)

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