Kultur : Wieviele Teile braucht ein Mosaik?

JAN SCHULZ-OJALA

Nennen wir das, wozu gestern Journalisten in die derzeit wohl schönste Sightseeing-Location der Stadt, den 24.Stock des Sony-Hochhauses am Potsdamer Platz, geladen wurden, eine Trommel-Pressekonferenz.Mit vornehm gedämpftem Trommelwirbel freilich.Denn bis zur Eröffnung des Filmmuseums im selben Gebäudekomplex, offizielles Thema der Zusammenkunft, vergeht noch ein knappes Jahr.Die zehn Millionen Mark aber, die dem Projekt noch fehlen, müssen alsbaldigst fließen, wenn die Sache noch termingerecht fertig werden soll.Berlins Kulturstaatssekretär Lutz von Pufendorf fand für die offene Summe die feine Metapher des "wichtigen Mosaiksteins" - was als sehr elegant untertrieben gelten darf.Schließlich macht der Betrag mehr als die Hälfte der notwendigen Gesamtinvestitionen für das Museum aus."Noch vor der Sommerpause" sollen, so wünschen es sich die Macher und auch der Staatssekretär, in dem hochsensiblen Konsultationsapparat zwischen Naumannschem Hauptstadtkultur-Fonds, Bundestag, Berliner Senat, Kulturverwaltung und dem zumindest gnädig zu stimmenden Berliner Parlament die letzten Hindernisse zur Finanzierung des Neubaus überwunden sein.

Aber dann - wie soll, wie wird er strahlen, der neue Berliner Kulturleuchtturm Filmmuseum, zwar nicht unterm splendiden Dach des sogenannten Office Towers, wohl aber auf zwei Etagen des benachbarten, niedrigeren Sony-Gebäudes! 1500 Quadratmeter, gestaltet von dem Ausstellungsarchitekten Hans Dieter Schaal, der derzeit mit seinem Ensemble im Lichthof der "Wege der Deutschen"-Ausstellung des Gropius-Baus Furore macht, wird das Filmmuseum der Stiftung Deutsche Kinemathek im künftigen Filmhaus belegen.In unmittelbarer Nachbarschaft: Die Freunde der Deutschen Kinemathek, die in den Untergeschossen als Ersatz für das Arsenal-Kino in der Welserstraße (es soll womöglich unter anderer Trägerschaft weiterbestehen) zwei neue Säle beziehen; außerdem die Deutsche Film- und Fernsehakademie und - vielleicht - das Dauerproblemvorhaben Mediathek, letzteres auf weiteren 500 Quadratmetern.Seit einigen Tagen ist das schon totgesagte Projekt wieder im Gespräch, weshalb die Macher des Filmmuseums die Pläne für die ihr zusätzlich zugestandenen Räume zunächst zu den Akten gelegt haben.

Rund 15 Jahre alt sind die ersten Entwürfe für ein Filmmuseum an jener Stelle (damals noch im alten Hotel Esplanade), und, so war gestern immer wieder zwischen den Zeilen herauszuhören, gerade einfach gestalten sie sich bis in die jüngste Zeit nicht.Die Stiftung hat, so gibt sie zu verstehen, ihre Hausaufgaben gemacht - mit dem Ankauf etwa der Nachlässe von Marlene Dietrich, Fritz Lang und Heinz Rühmann, die zu Ecksteinen der Dauerausstellung werden sollen, die sich Stiftungs-Vorsitzender Hans Helmut Prinzler im übrigen nicht als "interaktiven Zirkus" vorstellt, sondern als einen Ort für den "Reichtum der deutschen und internationalen Filmgeschichte".Übernommen werden sollen die Räume im November, zur Berlinale will man mit ersten Zeichen präsent sein.Sehr knapp das alles.Auch die Freunde der Deutschen Kinemathek, die das Internationale Forum zur Berlinale 2000 am Potsdamer Platz betreiben, planen zeitlich und räumlich beengt: Forums-Chef Ulrich Gregor sagte, das große neue Arsenal-Kino sei ursprünglich mit 350 statt der jetzt vorhandenen 250 Plätzen geplant gewesen - und ob die beiden Kinos zur Berlinale fertig sind, stünde auch noch in den Sternen.

Hektisch ist der Endspurt für das Projekt Filmhaus: Ein negatives Vorzeichen für das Ergebnis muß das durchaus nicht sein.So rechte Seelenruhe verströmt derzeit nur Dr.Dr.h.c.Helwig Hassenpflug, seines Zeichens Vorsitzender eines Freundes- und Förderkreises für das Filmmuseum, dem bislang rund 50 Prominente aus Film, Show und Politik angehören, von Horst Buchholz bis Volker Hassemer, von Billy Wilder bis Johannes M.Simmel.Wer den illustren Kreis - Jahresmitgliedschaft ab 100 Mark - verstärken möchte: Informationen unter Telefon 030 / 832 81 44.

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