Kultur : Wilder Detektiv

Der chilenische Schriftsteller Roberto Bolaño ist tot

-

„Am liebsten würde ich unter Borges’ Schreibtisch wohnen“, hat Roberto Bolaño sich einmal gewünscht. Und wer weiß, vielleicht hat er nun einen Platz in der Nähe seines größten Vorbildes gefunden: Roberto Bolaño, chilenischer Romancier, Satiriker und Meister des schwarzen Humors, ist am Dienstag im Alter von 50 Jahren in Barcelona einem Leberleiden erlegen. Geboren in Santiago de Chile, aufgewachsen in Chile und Mexiko, wo er die „Infrarealistische Bewegung“ mitbegründete, wurde die Zeit der PinochetDiktatur prägend für Bolaño, der sich selbst jedoch nicht als politischen Autor betrachtete. Nachdem er für mehrere Tage inhaftiert worden war, floh der damals 20-Jährige zunächst nach Mexiko. Erst nach dem Tode Francos fand er eine Wahlheimat in Spanien, wo er bis zuletzt lebte. Für „Die wilden Detektive“, „einen Abenteuerroman voller Sex, Drogen und Rock’n Roll“, wie er selbst ihn nannte, bekam Bolaño 1999 den Rómulo-Gallegos-Preis, der als „lateinamerikanischer Nobelpreis“ gilt. Auf Deutsch erschienen bei Kunstmann auch „Die Naziliteratur in Amerika“, „Stern in der Ferne“ und „Amuleto“. Sein letztes Werk „2666“ ist Fragment geblieben – Bolaño wollte es nach überstandener Operation vollenden. lgh

0 Kommentare

Neuester Kommentar