Kultur : Willi will’s wissen

Frederik Hanssen über harte Nüsse für die Berliner Rundfunkensembles

Morgen, Kinder, wird’s was geben!“ Genauer gesagt, 2013, und zwar weniger. Um 1,5 Millionen Euro will das Deutschlandradio seine Zahlungen für die Ensembles der Berliner Rundfunkorchester und -chöre GmbH (ROC) kürzen. Weil DSO und RSB, der RIAS Kammerchor und der Rundfunkchor Berlin wie alle Akteure auf dem Klassikmarkt mit langen Vorlaufzeiten planen, dürfte ihnen die Drohung von Deutschlandradio-Chef Willi Steul aber schon das jetzige Weihnachtsfest gründlich vermiesen.

„Wisst ihr noch, wie vor’ges Jahr es am Heiligabend war?“ Bereits im Dezember 2009 hatte Steul für Entrüstung gesorgt, als er vorschlug, die beiden Orchester zu fusionieren. Eine Schnapsidee, die von den anderen Gesellschaftern der Klassik-Holding, dem Bund, dem Land Berlin und dem RBB, schnell vom Tisch gefegt wurde. Schließlich handelt es sich hier nicht um die Feuerwehrkapellen von Castrop und Rauxel, sondern um zwei Ensembles, die zu den 50 besten der Welt zählen. Ein Jahr lang wurde hinter den Kulissen beraten, wie die strukturell unterfinanzierte ROC langfristig gesichert werden kann. Gremien tagten, Gutachter wurden angehört, Finanzierungsmodelle durchkalkuliert – bislang ohne greifbare Ergebnisse.

Mit seiner Ankündigung will Steul die von ihm favorisierte Zerschlagung der ROC nun erzwingen. Laut Satzung muss auf die Mittelkürzung eines Gesellschafters automatisch eine entsprechende Absenkung der anderen drei erfolgen. Berlins Kulturstaatssekretär André Schmitz bezeichnete den Vorstoß des Intendanten am gestrigen Mittwoch als „unverantwortlich“. In der Tat erinnert Steuls Aktion doch sehr an die TV-Kindersendung „Willi will’s wissen“: So, liebe Zuschauer, beim nächsten Experiment wollen wir mal sehen, wie schnell der Käfer weglaufen kann, nachdem wir ihm die Beine ausgerissen haben…

Dieses Kalenderjahr wird die ROC übrigens mit einem Überschuss von 2,7 Millionen Euro abschließen, erwirtschaftet durch die tagtägliche Anstrengung ihrer Mitarbeiter. Da dürfte auch der ungeduldige Willi Steul ruhig mal die Rute im Sack lassen. Den Künstlern jedenfalls kann man nur wünschen, dass ihre Probleme möglichst bald auf angemessene Weise gelöst werden, von verantwortungsbewussten Gesellschaftern. Damit sie bei der Weihnachtsfeier 2011 aus vollem Herzen singen können: „Welch ein Jubel, welch ein Leben wird in unserm Hause sein!“

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