Kultur : Wind of Change: Musical für Berlin

KM

Die Scorpions schreiben ein Berlin-Musical. Das kündigten Sänger Klaus Meine und Gitarrist Rudolf Schenker gestern bei einer Vorstellung des in Kooperation mit der Stage Holding entstehenden Projekts an. Es soll den Titel "Wind of Change" tragen und die historischen Ereignisse um den Fall der Mauer behandeln. Die Premiere ist zur Eröffnung des renovierten Metropol-Theaters im Frühjahr 2004 geplant. Die Produktionskosten werden mit 20 Millionen Euro veranschlagt. Damit stellt das Musical-Unternehmen des niederländischen Medienmilliardärs Joop van den Ende erstmals einen Stoff vor, den es in Deutschland entwickeln und herausbringen wird.

Mit dem Song "Wind Of Change", den Meine 1989 unter dem Eindruck einer Russland-Tournee der deutschen Rockband komponiert hatte, sei eine "Hymne zum Mauerfall" entstanden, die die politischen Umwälzungen in Deutschland vorausgedeutet habe, erklärte der Hannoversche Sänger. So arbeitet die fünfköpfige Band jetzt an einem deutschsprachigen Musical-Konzept, das das Glücksgefühl vom 9. November wiedergeben soll. "Wir wollen keinen Geschichtsunterricht veranstalten", erläuterte Maik Klokow, Geschäftsführer der Stage Holding, "sondern ein Publikum zwischen 14 und 40 Jahren mit einem Thema ansprechen, dessen Auswirkung ihr Leben bis in die Gegenwart hinein prägt." Klokow ließ keinen Zweifel daran, dass "ein Stück über Berlin gemacht werden muss".

Obwohl die Scorpions nach eigenem Bekunden erst etwa 10 Stücke fertiggestellt haben und auch über die Story noch Uneinigkeit besteht, zeichnen sich doch zaghafte Konturen ab: So wird der Moment des Mauerfalls am Leitfaden einer fiktiven Liebesgeschichte dramatisiert und in traditionellem Musical-Format erzählt. Man dürfe keine Rock-Oper erwarten, erklärte Meine gegenüber dem Tagesspiegel, nur weil eine Rockband für die Songs zuständig sei. "Aber wir wollen auch keine Zuckerbäckerei", zerstreute Meine alle Befürchtungen, dass die für ihre melodiösen, pathetischen Rock-Songs berühmte Band allzu gefällig mit der politischen Brisanz des Themas umgehen könnte.

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