Kultur : Windstöße

Ulrich Clewing

auf der Spur des Ephemeren in Berliner Galerien Was kann es Flüchtigeres geben als ein Geräusch, einen Windhauch, eine Lichterscheinung, ein Spiegelbild? Als der Brite Steven Pippin 1998 als DAAD-Stipendiat im Berliner Künstlerhaus Bethanien wohnte, bemerkte er eines Abends ein seltsames Phänomen. Für einen kurzen Augenblick erschien über dem Mariannenplatz ein greller Feuerball am Himmel, der sich zunächst langsam senkte, um dann buchstäblich blitzartig in horizontaler Richtung zu verschwinden. Da Pippin auch sonst gern seinem Faible für astronomische Merkwürdigkeiten nachgeht, ist in der Galerie Klosterfelde unter dem Titel „UFO“ so einiges zusammengekommen: amüsante Diagramme, Planetenmodelle, Flat-Screen-Globen, Fotografien vom Null-Meridian-Haus in Greenwich – was halt so alles kreucht in unserem kleinen Interpretations-Universum (Preise auf Anfrage, Zimmerstraße 90/91, bis 14. Mai).

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Bilder, die eigentlich an der Wand hängen, im nächsten Moment jedoch schon wieder verschwunden sind, zeigt auch Max Hetzler (Zimmerstraße 90/91, bis 30. April). Der Trick: In den achtziger Jahren integrierte Albert Oehlen Spiegel in seine Gemälde, mit dem Effekt, dass sich das Gesehene je nach Standpunkt ändert. Neben diesen Leihgaben aus einer Privatsammlung erscheint das einzige neue Werk in der Ausstellung wie eine logische Weiterentwicklung – auch ein „Spiegelbild“, nur ohne Spiegel (105000 Euro).

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Ein Luftzug, ein mechanischer Klang, die Assoziationen – für Miroslaw Balka in der Galerie Nordenhake ist dies Teil eines Gesamtkunstwerkes, das von Erinnerung, vom Werden und Vergehen, von Krieg und Tod und Verbrechen handelt (Zimmerstraße 88-91, 10000 bis 40000 Euro, bis 28. Mai). Fazit: Das Ephemere wiegt nichts, ist aber manchmal ziemlich schwer.

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