Kultur : Wir arbeiten daran

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Da sage niemand, Kulturstaatsminister Julian Nida-Rümelin habe kein Händchen für die Medien, jedenfalls für gewisse. So konnten sich fleißige Leser der „Süddeutschen Zeitung“ gestern bereits am Frühstückstisch – aus der Feder des Ministers selbst – gedanklich auf das einstimmen, was er mittags vor Journalisten in Berlin über den „Zwischenbericht zur Konkretisierung und Umsetzung des filmpolitischen Konzepts“ aus seinem Hause vorzutragen gedachte.

Die 260 „SZ“-Feuilleton-Aufmacherzeilen, sprachlich und kompositorisch ein getreulicher Extrakt des 25 Seiten starken Ministerialpapiers, seien daher hier nur leicht gestrafft wiedergegeben. Erstens: Die deutschen Filmproduzenten sollen nicht mehr am Hungertuch nagen. Hierfür sollen die deutschen Privat-Milliarden, die bisher in Medienfonds nach Hollywood fließen, auf deutsche Filmproduktionsmühlen umgelenkt werden – entsprechende Steueranreize vorausgesetzt. Außerdem sollen die Produzenten die Rechte an ihren Filmen künftig schneller von den TV-Sendern zurückbekommen. Zudem mögen die reichen Sender freiwillig mehr für den Kinofilm tun, wobei die Privaten offenbar nicht mehr Geld, wohl aber Sendezeit als „Werbeleistung“ für den Kinofilm zu spendieren gedenken. Zweitens soll sich die Filmförderungsanstalt über einen höheren Geldsegen freuen - von Kinos sowie Video- und DVD-Industrie. Drittens sollen Filmproduzenten bei weiterer Förderung stärker für ihre kulturellen Bemühungen belohnt werden: Ein Top-Preis in Cannes etwa entspräche, nach einem Punktesystem, einem Kinoerfolg mit 300000 Zuschauern. Andererseits fiele ein Fünf-Millionen-Euro-Film, der nur 500000 Zuschauer und keine Preise zieht, aus der Wertung.

An all diesen schönen Dingen wird gearbeitet – mit Blick auf das novellierte Filmfördergesetz, das 2004 in Kraft treten soll. Und: „Wir setzen die Sache nach der Wahl fort.“ Sage keiner, der Kulturstaatsminister sei ein Mann ohne Visionen. jal

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