Kultur : Wir buchen noch!

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Christina Tilmann beobachtet

Berlin beim Sparen

Montag, 9.30 Uhr, Abgeordnetenhaus, Unterausschuss Theater. Berlins Kultursenator Thomas Flierl stellt seinen Bericht für das erste Halbjahr 2002 vor. Anfang Dezember! Den – vorläufigen – Abschlussbericht könne er erst im Februar 2003 vorlegen: „Im Januar buchen die Bühnen noch.“ Gewinne? Verluste? Auslastungszahlen? Man einigt sich – schon ein Erfolg – auf Mitte Januar.

Erstes Thema: die Opern. Und die Zahlen: Alles ist besser als erwartet. Die prognostizierten Defizite treten nicht ein, wenigstens nicht ganz so hoch wie erwartet. 620000 Euro weniger Defizit bei der Deutschen Oper, 160000 Euro weniger bei der Komischen Oper. Wenn allerdings die Deutsche Oper, Sorgenkind des Senats, so vernünftig gewirtschaftet hat, warum muss dann der Intendant vorzeitig gehen? Und warum mit Ioan Holender ein Berater bestellt werden? Fragt die PDS. Gute Frage. Keine Antwort. Stattdessen stellt der oberste KulturverwaltungsBeamte Bernd Mehlitz sein Optimierungskonzept für defizitäre Bühnen vor: Weniger Premieren (Risiko), mehr Renner (volles Haus). Darin dürfte er sich mit Holender einig sein. Noch ein Erfolg.

Zweitens: die Theater. Schwierige Lage. Zwar wurden auch hier Defizite vermindert, meistens jedenfalls. Nur die Schaubühne bleibt mit 1,13 Millionen Euro im Minus – weil sie auf Bemühenszusagen des vorvorvorigen Senators vertraute. Dafür bekam das Berliner Ensemble gerade wieder 2,8 Millionen Euro aus Lottomitteln. Auch auf Grund von Zusagen. Zweierlei Maß. Das müsse man im nächsten Jahr vereinheitlichen, so der Senator. Damit es den privaten Bühnen wie dem Deutschen Theater gehe. Das steht geradezu glänzend da: Das Defizit ist um 350000 Euro gedrückt, und dazu wurden Abfindungszahlungen in Höhe von 1,1 Millionen Euro ersetzt. Es ist allerdings die einzige Bühne, der eine solche Gabe zugute kommt – weil das Defizit hier am höchsten war. Ob man, indem man Defizite so belohnt, wirklich einen Anreiz zum Sparen schafft, fragt die CDU. Gute Frage. Keine Antwort.

Drittes Thema: nochmal die Opern. Sie sollten – ein Lieblingsthema des Kulturausschusses – ein gemeinsames Marketingkonzept auf die Beine stellen. Aber sie weigern sich wieder einmal. Von der öffentlichen Meinung und der Politik zu sehr auf Konkurrenz gepolt, können sie sich ein Zusammenarbeiten nicht vorstellen. Der Senator versteht’s: „In den derzeitigen Strukturen ist das nicht zu machen.“ Erst müsse eine Reform her, auch das ein Lieblingsthema. Fazit: Nicht nur bei den Bühnen, auch bei Senatoren und Abgeordneten gibt es Renner und Penner.

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