Kultur : Wir fürchten sie

Forum: „Infernal Affairs“ mit Andy Lau und Tony Leung

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Wie gut, dass die Gangster schwarze und die Polizisten weiße Hemden tragen – sonst könnte man sie nicht voneinander unterscheiden, mit ihren Seidenanzügen, ihren akkuraten Kurzhaarschnitten und ihren kantigen, verschlossenen Gesichtern. Nur der Gangster Yan – Lederjacke, Bart, Unfrisur – ist ein bisschen anders, und das liegt an seinem Darsteller Tony Leung, dem romantischen Helden aus „In the Mood for Love“. So adrett wie er damals war, so leger gibt er sich hier. Und das muss er auch, um sich von seinem Gegenspieler, dem Polizisten Lau, abzusetzen. Denn den verkörpert natürlich Andy Lau, der die Adrettheit geradezu erfunden zu haben scheint.

Die zwei größten Stars des HongkongKinos geben sich ein Stelldichein in „Infernal Affairs", und ein bisschen erinnert dieser Kampf der Giganten an Al Pacino und Robert DeNiro in „Heat“. Auch Leung und Lau stehen auf verschiedenen Seiten des Gesetzes; beide sind tough und professionell, und sie stammen aus derselben Schule: Beide haben eine Polizeiausbildung absolviert. Seitdem arbeitet Leung als Undercover-Polizist und Killer bei den Triaden, während Lau umgekehrt als getarnter Gangster eine Polizistenkarriere macht. Beide wollen jedoch ihr Maulwurfsdasein beenden und ein normales Leben führen. Im Zuge eines großen Rauschgiftdeals werden sie aufeinander angesetzt, ohne dass sie freilich voneinander wissen.

Die Hölle, auf die der Filmtitel anspielt, ist eiskalt: „Infernal Affairs“ spielt zwischen Glas- und Stahlfassaden, deren unterm preußischblauen Himmel glänzende Oberflächen immer nur das eigene Spiegelbild zurückwerfen, während sich dahinter einerseits die elektronisch hoch gerüsteten Büros der Polizisten, andererseits die schwülstig-protzigen oder schwülstig-heruntergekommenen Hangouts der Gangster verbergen. Tony Leung und Andy Lau sind zu einem Katz-und-Maus-Spiel gezwungen, und da sie einander ebenbürtig sind an Raffinesse, Mut, Kaltblütigkeit und einer gelegentlich unter den Profi-Masken hervorscheinenden Todessehnsucht, dauert es lange, bis es zu einer Entscheidung im Duell der beiden kommt.

„Infernal Affairs“ ist ein eleganter, spannender und gefährlicher Genrefilm. Gefährlich, weil er, den Konventionen entsprechend, das Gangsterleben so attraktiv aussehen lässt. Wie zum Ausgleich erscheint nach dem letzten Bild ein Text auf der schwarzen Leinwand: „Wer in der Hölle schmort, stirbt nie. Und Langlebigkeit ist die schlimmste aller Strafen.“ sann

Heute 24 Uhr (Delphi), morgen 22.30 Uhr (Babylon), Sonntag 14.30 Uhr (Cinestar 8)

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