Kultur : Wir mögen uns

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Hat hier sonst noch jemand einen Orgasmus?“ Man wird ja wohl mal fragen dürfen, jedenfalls, wenn man Richard Gere heißt. In unzähligen Frauen habe es erotische Schauer ausgelöst, als ihm der Golden Globe verliehen wurde? Was soll ein armer Star auf so eine Unterstellung denn antworten? Am besten, er geht in die Offensive, fragt zurück und gibt der „Chicago“Pressekonferenz, die mit vielen verbalen Streicheleinheiten gemächlich dahinplätschert, endlich einen unvermuteten Höhepunkt.

Schon zu Beginn hatte der schöne Richard, auch im Leben ein galanter Mann, die Initiative ergriffen und Sprudelflaschen verteilt. „Self Service here?“ Man ist einander zugetan, das zeigen die fünf auf der Bühne im überfüllten Saal des Berliner „Hyatt“-Hotels immer wieder. Erst tätschelt Renée Zellweger (links) ihren plumpen Filmgatten John C. Reilly, später wird sie selbst von Richard Gere geknuddelt, übernimmt dann erneut die Initiative und bekennt, dass sie Catherine Zeta-Jones am liebsten küssen würde, gewissermaßen. Denn warum müssten denn Frauen immer miteinander kämpfen, wie in den Fragen wieder und wieder unterstellt werde? Von Rivalität war bei ihnen jedenfalls keine Spur. Ganz im Gegenteil: „Wir mögen uns.“

Und sie mögen auch ihren Regisseur Rob Marshall, Renée Zellweger mittlerweile in ganz persönlicher Weise, lobpreisen ihn geradezu, schaukeln sich von eine Woge der Artigkeiten zur nächsten. Mal schieben sich Catherine und Renée nach oben, geben dabei wohl auch mal Anekdoten zum besten, wie sie sich mit kleinen Übertreibungen eine Rolle erschwindelten, oder schwärmen von der absoluten Erfüllung, die „Chicago“ für sie bedeutet habe. Dann schiebt sich wieder, nach fein dosierter, fast unspürbarer Dramaturgie, Mr. Gere nach vorne, stets launig und jedesmal zur großen Form auflaufend, wenn er nach seinem Image als Frauenschwarm befragt wird. Sein Rezept, die deutschen Männer nicht eifersüchtig zu machen? „Ich bleibe im Hotelzimmer und lasse die Rolläden runter.“ (ac) Foto: Fabrizio Bensch

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