Kultur : Wir sind alle Zombies

Rückkehr als Parodie: „Shaun of the Dead“

Karl Hafner

Jeden Abend trinken Shaun (Simon Pegg) und sein Kumpel Ed (Nick Frost) ein paar Pints Bier in ihrer Stammkneipe und flippern. Dann geht es nach Hause vor die Spielkonsole, um zu zocken. Shaun jobbt tagsüber noch in einem Elektroladen, Ed bleibt einfach auf der Couch liegen. Mehr interessiert die beiden nicht. Ein Leben, für das man kaum mehr Hirn braucht als ein Zombie. Eigentlich gar kein Leben, findet Shauns Freundin Liz (Kate Ashfield) und macht Schluss. Shaun solle endlich aus seiner Lethargie erwachen.

„Eine romantische Komödie. Mit Zombies“ nennt der Brite Edgar Wright „Shaun of the Dead“ im Untertitel. Es dauert tatsächlich eine Weile, bis aus einem heiteren Beziehungswirrwarr ein Zombiefilm wird. Und als dann die ersten echten Zombies auftauchen, werden sie von Shaun, der in Anbetracht eines drohenden Single-Daseins in panischen Aktionismus verfällt, nicht einmal bemerkt. Zwar warnt das Fernsehen vor einer Zombie- Epidemie, doch erstens schaut Shaun sowieso weg, wenn Nachrichten kommen, und zweitens sehen sich die schlaftrunkenen Menschen auf dem Weg zur Arbeit und die schlurfenden Untoten wirklich zum Verwechseln ähnlich.

Zombies sind immer auch ein Sinnbild für gesellschaftliche Ängste – zumindest in den schlaueren Filmen des Genres, etwa von George A. Romero, dem Begründer des modernen Zombie-Films. In seinem „Night of the Living Dead“ von 1968 geht es neben allem Blut und Ekel um den Militarismus der Vietnam-Ära, in „Dawn of the Dead“ von 1978 um sinnentleerten Konsumwahn. „Shaun of the Dead“ ist nicht nur wegen seines Titels eine gelungene Parodie auf das Genre und zugleich eine intelligente Romero- Hommage. Doch wirklich Böses getan hat der Mensch hier nicht, außer vielleicht zu selbstgefällig Masse zu sein und Shauns Angst vor dem Erwachsenwerden zu verkörpern.

Es ist eine wunderbare Ironie des Films, dass Shauns und Eds sinnfreies Dasein durch den Ausbruch der Zombie-Krise doch noch seinen Sinn erfährt. Doch je mehr Menschen zu Zombies werden, desto ernster wird der Film. Die außer Kontrolle geratene Masse ist mörderisch. Wirklich gruseln darf man sich vor der Erwachsenenwelt, die sogar Zombies Gewinn bringend einzusetzen weiß – ein Unterfangen, das in Romeros „Day of the Dead“ noch scheiterte.

In 13 Berliner Kinos, OV im Cinestar Sony-Center

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