Kultur : Wir Statisten

Kulturausschuss streitet über Theatergelder.

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Sie fühlen sich ja oft als Kleindarsteller, in der Politik wie in der Kunstszene: die Damen und Herren Parlamentarier, die im Kulturausschuss des Berliner Abgeordnetenhauses sitzen. Lange vorbei die Zeiten, in denen hier die brennenden Probleme der finanziell chronisch klammen Kulturmetropole unter großer Medienaufmerksamkeit ausgekämpft wurden. Einst ging es hier um die Rettung der hauptstädtischen Musiktheater vor dem Zugriff des Finanzsenators durch die Erfindung der Opernstiftung. Bei der letzten Sitzung vor der Winterpause behandelt man am Montag hingegen lediglich die Frage, ob der zum Sommer 2013 frei werdende Posten eines Geschäftsführers neu besetzt werden solle. Oder ob die Stiftung künftig in der Alltagsarbeit auch ohne „Dach“ auskäme. Und selbst dazu mochten sich weder der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit noch sein Kulturstaatssekretär André Schmitz positionieren: Man werde das zu gegebener Zeit im zuständigen Gremium besprechen.

Kein Wunder, dass sich die Abgeordneten anschließend bei der Frage verkämpfen, ob die Bezahlung der Statisten an der Komischen Oper angemessen sei. Das Gefühl scheint ihnen vertraut zu sein. Grüne wie Piraten finden es skandalös, unter welch prekären Arbeitsverhältnissen dort die Komparsen malochen. 18 Euro für eine bis zu dreistündige Probe! Und das bei dem Riesenbudget des Hauses! Schmitz’ Hinweis, dass sich an Theatern traditionell Rentner, Hausfrauen und Studenten aus Liebe zur Sache um Nebenjobs bemühen, verfängt da wenig. Oft, so die Kritiker von der Opposition, seien mittlerweile auch akademisch ausgebildete Mimen genötigt, Statistenrollen zu übernehmen – und zu überleben. Früher, möchte man entgegnen, gingen die kellnern.

Ganz en passant erfährt man bei der Sitzung dann auch noch zwei brisante Fakten zur Staatsoper: Dass nämlich das für 240 Millionen Euro sanierte Stammhaus Unter den Linden unmöbliert übergeben wird, wenn sich die Senatsverwaltungen für Kultur und Bauen nicht darauf einigen, wer die fehlenden 4,7 Millionen für die Innenausstattung aufbringt. Und dass im neuen alten Bau mit einer Steigerung der Betriebskosten um jährlich eine Million Euro gerechnet wird. Da fehlen einem die Worte. Frederik Hanssen

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