Kultur : Wir unter 30

Das Programm des Münchner Filmfests.

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Weiblicher wird es, das 30. Filmfest München unter der neuen Leiterin Diana Iljine – wenn auch eher zufällig als programmatisch. Das beginnt damit, dass im Festival-Trailer eine Nymphe den Fluten entsteigt. „Wir sind alle durch Cannes sensibilisiert“, sagt Christoph Gröner, der die Auswahl für die Reihe Neues Deutsches Kino traf. Schließlich geht es im Cannes-Festivaltrailer auf den berühmten roten Stufen aus Meerestiefen geradewegs in den Sternenhimmel.

Eine andere Cannes-Sensibilität: Während im Wettbewerb zuletzt keine Regisseurin vertreten war, stellt bei den 15 deutschen Kinopremieren etwa die Newcomerin Franziska Schlotterer ihr Talent unter Beweis. In „Ende der Schonzeit“ erzählt sie von der lebensgefährlichen Ménage à trois eines Schwarzwaldbauern-Paars mit einem versteckten Juden im Jahr 1942. Schlotterer wird eingerahmt von Michaela Kezele, Lola Randl, Sylvie Michel, Hanna Doose und Constanze Knoche, die sich in Familienfilmen vor allem der orientierungslosen „Generation Rollkoffer“ unter 30 widmen. Gleichzeitig werden abwesende Väter aufgespürt und zur Verantwortung gezogen, etwa in Ken Scotts frankokanadischer Komödie „Starbuck“, Eröffnungsfilm des Festivals an diesem Sonnabend. Der hinreißend komische Patrick Huard spielt darin einen Lebenskünstler und früheren Samenspender. Plötzlich sieht er sich mit seinen 533 Kindern konfrontiert, die ihn via Gerichtsbeschluss kennenlernen wollen.

Den CineMerit Award erhält eine wahre Lady: Hollywood-Star Melanie Griffith reist an, um „The Grief Tourist“ vorzustellen. Zu den Ehrengästen zählen die Regisseurin und Schauspielerin Julie Delpy, die wie der Amerikaner James Franco („Milk“) mehrere neue Filme im Gepäck hat, der Independent-Regisseur Todd Haynes, Giorgio Moroder als Schöpfer des in den Achtzigern durch die Discos wummernden „Sound of Munich“ und die Fassbinder-Vertrauten Ingrid Caven und Udo Kier. Sie präsentieren zu RWFs 30. Todestag eine Werkschau, darunter die Rarität „Letzte Reise nach Harrisburg“ von Udo Kier. Fassbinder finanzierte den Film und synchronisierte Kier.

„Das Filmfest lebt von den Begegnungen der Fans mit den Schauspielern und Regisseuren“, ist Diana Iljine überzeugt. Hierfür wurden weitere Spielorte wie der imposante Neubau der Hochschule für Fernsehen und Film (HFF) einbezogen und pro Abend eine Vorstellung oder Preisverleihung zur Gala erklärt. Andererseits wurde das Programm etwas reduziert, das bis zum 7. Juli 186 Filme aus 47 Ländern verheißt. Katrin Hillgruber

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